Um 7 Uhr morgens kommen wir (Meine Mitpraktikantin und ich) in Córdoba an. Es ist zu früh um in unser Zimmer zu gehen, also vertreiben wir uns die Zeit mit Sightseeing und Internet. Córdoba gefällt mir. Es ist eine Millionenstadt, aber das sieht man dem Stadtkern nicht an. Nur wenige Hochhäuser ragen in den blauen Sommerhimmel. Ja, Sommerhimmel. Es ist wahnsinnig heiß hier und es wird noch schlimmer.
Wieder zurück im Hotel werde ich freundlich begrüßt. Man kennt mich bereits im Büro unseres Partners. "Hola Marten" heißt es von hier und von da. Jetzt heißt es wieder küssen. Manch einer zwinkert mir sogar zu. Charmant und doch beklemmend. Schnell machen sich alle fertig und los gehts zur Konferenz. Die Eröffnungsworte hält der Gouverneur der Provinz Córdoba (Stadt und Provinz haben den gleichen Namen). Nicht schlecht. Fleißig gehe ich meiner Arbeit nach, schreibe mit, mache Fotos. Man hat extra einen deutschen Experten eingeladen. Sehr nett und humorvoll. Mich begeisterte die Fähigkeit komplexe Zusammenhänge runterzubrechen.
"Schmeiß dich an den ran!", flüstert mir meine Chefin zu.
"Bitte was?"
"Na das ist ein wichtiger Mann. Du weißt doch: Kontakte sind wichtig."
"Ich hab ihn doch schon zur Begrüßung geküsst. Reicht das nicht?"
Abends verabschiedete sich das Büro geschlossen vom Experten mit einem Weinumtrunk. Meine Chefin und der Berliner unterhielten sich über ihre persönlichen Erfahrungen mit der DDR. Einerseits wahnsinnig interessant, andererseits auch das Letzte was man hören will, wenn man 5 Stunden Schlaf im Bus gekriegt und den ganzen Tag gearbeitet hat. Dazu noch die betörende Wirkung des Weins. Ich schlief später wie ein Stein.
Ich wollte unbedingt raus und das Nachtleben kennenlernen.
Und es klappte. Über 1-2 Ecken (ein Couchsurfingkontakt und eine der Praktikantinnen aus Buenos Aires). Wir platzten direkt in eine B-day Party. Der CS-Typ fragte ein Mädchen, wer denn Geburtstag habe. Man kam ins Gespräch bis er auf mich zeigte und meinte "er ist Deutscher". Das Mädchen - die Augustina - quiekte entzückt. Ihr Freund spreche Deutsch und sie zog ihn zu mir. Das war der Moment einer wunderbaren Männerfreundschaft. Tomas - so heißt er - und ich haben uns perfekt verstanden. Zwar spricht er nur ein bisschen deutsch, aber mein Spanisch hat das fehlende ergänzt. Ich habe ihm einen großartigen Abend zu verdanken. Und eventuell, werde ich für Silvester wieder nach Córdoba fahren....mit dem Bus.Mit einer fast schon greifbaren Fahne und klitzekleinen Igelaugen schlurfte ich Sonntag morgen in den Frühstücksraum des Hotels. Los gehts mit dem Tagestrip. Ich weiß nur noch, wie ich die Autotür schloss. Dann wachte ich mit Nackenschmerzen wieder auf. Aber der Wahnsinn. Córdoba (die Provinz) ist wahnsinnig schön. Hügellandschaften, Flüsse und Seen. Ich vermisse das Meer.
Von einem Aussichtsturm haben wir einen Superausblick auf die Landschaft.
Dennoch ein schöner Ort. An der Architektur sieht man, dass hier viele Menschen mit deutschen Wurzeln leben.
Auf der Rückfahrt halten wir in Alta Gracia. Eine ganz süße - ja, süß!- Stadt.
Wir halten vor einem Che-Museum. Es ist geschlossen. Wir fahren weiter.
Wieder in Córdoba (der Stadt) suchen wir uns ein Hostel, in dem wir ohne Probleme unterkommen. Zu zweit im 8er Zimmer zu schlafen ist auch ganz nett. Am nächsten Tag erkunden wir etwas die Stadt und machen Siesta in einem Park. Es ist erneut wahnsinnig heiß. Ich weiß in Deutschland ist es grau und kalt, und man wünscht sich Sonne, aber das ist echt nicht zum aushalten.
Am Abend treffe ich nochmal die Leute vom Samstag aus dem Club, Tomas und Co. Ich merke schnell. Ohne Bier ist es deutlich schwerer sich zu unterhalten, aber es klappt. Wir sprechen über meine Rückkehr nach Córdoba. "Versprik es!" forderte Tomas.
"Eine Rückkehr ist kein Gedanke, es ist Pflicht!", heißt es von Erichs Tochter später in Facebook.
Auch wenn sie es nicht lesen, aber trotzdem danke an Erich und Natalia für den tollen Ausflug und danke an Tomas und Augustina für die tolle Party.
Ich werde wieder hinfahren.
Am Omnibusterminal stehend sehe ich den Bus kommen. Unweigerlich muss ich an Dante denken. Hab mich für meine letzte Prüfung damit beschäftigt. Über dem Tor zur Hölle steht geschrieben: "Ihr die ihr eintretet, lasst alle Hoffnungen fahren."
Dass ich diese Worte über der Einstiegstür des Busses nicht finde, beruhigt mich wenig.
Um 7 Uhr morgens wieder in Buenos Aires gehen wir direkt ins Büro. Nach Hause fahren würde sich nicht lohnen. Es herrscht aber Generalstreik in der Stadt. Das Büro ist nur sperrlich besetzt.
So kriegt wenigstens niemand meinen Schlafmangel zu spüren.
