Dienstag, 12. November 2013

Hasta Luego, Marty!

"Niemand bringt uns bei, wie wir mit Abschied umgehen sollen." Diesen Satz hat mir meine Mutter beigebracht. Und auf keine Situation trifft er so sehr zu wie meine. Meine letzten Tage in Argentinien sind angebrochen. Ein ganzes (dramatisiert) Jahr verfliegt wie ein Moment. Bin ich nicht gestern erst angekommen? Oder ist das doch schon so lange her?


Ich selbst verschob meinen Rückflug noch mal um vier Wochen, bereute das auch einige Zeit, aber es war das Richtige. Ich konnte noch einmal Zeit verbringen. Mit meinen Kollegen und mit meinen Freunden.
Noch einmal fuhr ich nach Cordoba. Im November war ich das erste Mal dort und wurde super aufgenommen. Mit Danü fuhr ich hin. Eigentlich wusste er gar nicht genau, was er dort wollte. Wahrscheinlich wollte er mich nur begleiten oder wie immer nur aus Buenos Aires raus, um frische Luft zu schnappen.
Ich besuchte Tomas und seine Freundin Agus, die ersten Cordobesen, die ich kennenlernen durfte. Tomas hatte sein Deutsch nicht verbessert und sein Spanisch war noch immer unmöglich zu verstehen. Er sprach mit starkem Cordoba-Dialekt und viel zu schnell. "Mein Schatz", sagt Agus, die in Mar del Plata geboren ist. "Er versteht dich nicht, wenn du so redest."







Als Tomas kurz verschwindet, sagt auch Agus, dass sie ihn manchmal auch nicht versteht. Wir gehen feiern und ich treffe noch andere Cordobesen wieder. "Du hast immer einen Grund zum Wiederkommen", sagen sie. Ich treffe Natalia, bei der ich Silvester feiern durfte. Zu dem Zeitpunkt konnten wir keine 10 Minuten normal miteinander reden, wegen meiner Sprachbarriere. Nun geht es besser. Ich ringe ihr das Versprechen ab, mich mal in Deutschland zu besuchen. Ob sie es halten kann, weiß ich nicht, aber es hilft.

In Buenos Aires kehre ich zurück zur Arbeit. "Ein gut bestelltes Haus hinterlassen". Doch als ich wiederkomme, gibt es Waffeln. Hui, da freue ich mich. "Marten", sagt meine Chefin. "Wir haben ein Geschenk für dich." Ich hab schon erzählt, wie sehr ich vom Llama que llama schwärmte. In meiner Erinnerung habe ich einmal gesagt, dass ich mir ein Stofftier wünsche, so nebenbei verloren in der Vielzahl meiner Worte. In der Realität muss ich jeden, der mir im Büro begegnete zu Tode genervt haben. Man schenkte mir ein Lamababy.

Ich bin so gerührt.


Ich lade zu meinem Abschied ein. Einen Tag vor den Vorwahlen. Schlau? Eher weniger. Man keinen Alkohol kaufen. Egal, gefeiert wird trotzdem. Erneut muss ich mit meiner Vermieterin verhandeln.
Nur Freunde? Ja klar.
Es kamen auch Menschen, die ich gar nicht kannte.

Alles sauber? Ja natürlich.
Eine Weinflasche geht zu Bruch, eine rote Pfütze im ganzen Wohnzimmer.

Leise? Selbstredend.
Don't stop me now von Queen wird kollektiv mitgesungen.

Ich freue mich, dass so viele gekommen sind.

Das letzte Mal Asado. Wie ich es vermissen werde. Fleisch ohne Ende, so gut und so günstig.
Der Besitzer kennt mich mittlerweile, begrüßt mich mit Handschlag, redet mit mir über Gott und die Welt. Gemeinsam mit den engsten nochmal ein gutes Asado essen.



Dann der letzte Weg zum Flughafen. Ich erinnere mich. 333 Tage war ich nun im Land. Als ich ankam, war alles groß und neu. Nun ist es vertraut. Ich verstand fast kein Wort. Nun unterhalte ich mich auf Spanisch mit meinen Freunden. Ich kannte gar nichts von Südamerika. Nun war ich in fünf Ländern, vier Hauptstädten, auf Bergen, an und auf Seen und in Schluchten. Ich zähle zwei Wohnungen, dutzende Hostels, tolle Menschen auf meinem Weg und darunter die vielen Mitbewohner.
War ich traurig half man mir hier und durch Nachrichten aus Deutschland. Ich kriegte viele Postkarten und habe mich über jede einzelne gefreut.

Ich verließ Argentinien und ließ einen Teil von mir dort zurück.

Und so endet es.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Reise nach Peru - Teil 6 - Die Spül-Theorie von der Insel der strickenden Männer

Wer aufmerksam gelesen hat, wird festgestellt haben, dass Teil 6 Bisher ausblieb! Dieser erscheint bei cws Blog, seines Zeichens Journalist, Politiker und Argentinier.


Wo ich bin? Und was ich da mache? Lest es hier!

Rumtreiberfragmente: Hochzeitsmarathon

Ich muss etwas falsch gemacht haben. Ich bin oft nach Argentinien eingereist. Von Deutschland aus, von Chile aus, von Bolivien aus, von Uruguay aus und von Peru aus. Zu Fuß, im Bus, im Flugzeug oder im Schiff. Fünf mal und dennoch muss ich etwas falsch gemacht haben.

Argentinien ändert dich. Es scheint wirklich so, dass einen das Land auf die eine oder andere Weise verändert. Die wohl erfreulichste Veränderung ist der Beziehungsstatus. Ich kenne drei Menschen, die das Land unverheiratet, teils sogar single erreichten, und es verheiratet oder verlobt wieder verließen. Die Kombinationen sind so bunt, dass selbst der gute Gregor Mendel gestaunt hätte. Eine Deutsche und ein Holländer, ein Argentinier und eine Französin und eine Deutsche und ein Chilene. Alle drei Paare haben sich in Argentinien verlobt und zwei davon auch direkt die Ringe getauscht.

Ich gestehe, dass mir auch die eine oder andere Argentinierin einen verführerischen Blick zuwarf, aber heiraten? Ich muss also etwas falsch gemacht haben, da ich keinen Ring an meinem Finger entdecke. Oder? Ein Holländer, ein Chilene, eine Französin?

Vielleicht ist das auch nur ein Trick der Präsidentin. Man verschenkt Eheringe an Touristen, um an die kostbaren Dollar zu kommen. Ziemlich ausgefuchst wäre das!

Dienstag, 1. Oktober 2013

Rumtreiberfragmente: Wohnungsgemeinschaft

Nach meinen ersten drei Monaten in Buenos Aires musste ich vom Szeneviertel Palermo in das weniger beschauliche San Cristobal umziehen. Die Gründe? Vor allem der Preis. Ich konnte es mir nicht leisten jeden Monat 500 Dollar zu bezahlen, zzgl. Kosten für die Putzfrau und Nachzahlungen für Strom. Meine damalige Vermieterin meinte, es sei die Klimaanlage, die so viel Strom fresse. Seltsam, denn da die schlaue Vermieterin die Fernbedienung versteckt hatte, wusste ich nicht einmal, wie diese eingeschaltet wird.

In San Cristobal zog ich ein großes Haus. Ich hatte ein großes Bett, eine riesige Dachterasse und genug Platz im Haus. Und auch mehr Mitbewohner. Vier Deutsche, drei Engländerinnen, zwei Österreicher, zwei Schweizer und eine Italienerin.

In drei Jahren Rostock hatte ich zwei Mitbewohner. In einem Jahr Argentinien hatte ich mit meiner ersten argentinischen Vermieterin und meiner ersten Mitbewohnerin insgesamt 15 Mitbewohner. Aus anderer Sicht waren das eine Anwältin, eine angehende plastische Chirurgin, ein Kulturkenner, ein Spitzenkoch, ein Bodybuilder, ein Dj, eine Reisende, eine Finanzbeamtin, eine Leseratte, ein heimlich Verliebter, ein Männermagnet, ein Sprachentalent und eine Quasselstrippe.

Immerhin haben sie es alle auf kurz oder lang mit mir ausgehalten.

Montag, 30. September 2013

Reise nach Peru - Teil 7 - Schluchten und Kondore

Es ist knapp vor 4 Uhr in der Früh als ich die Glocke läute. Niemand rührt sich. Vor mir ein altes Eisengitter, hinter mir die Nacht und die Kälte. Ich läute erneut. "Hoooola?", frage ich? Es rührt sich was. Eine verschlafene Peruanerin öffnet mir. Ich habe bereits in Puno reserviert. Ein seltsames Gespräch. Ich fragte mehrfach, ob es warmes Wasser gäbe, denn das gab es in Puno nicht. Man sagte mir "siempre", also immer.
Vor mir steht ein Hund, namens Luna. Sie fürchtet sich und knurrt leise. Das Mädchen sagt, dass Luna sonst jeden mögen würde. Augenblicklich fühlte ich mich wie ein Bote des Untergangs, das Urböse in Menschengestalt, das nur Tiere wahrnehmen würden und mitten in der Nacht auftaucht. Meine Stimme wurde zwei Oktaven tiefer. "Ein Zimmer bitte".

Arequipa schenkte mir Erleichterung. Es ist zentraler und schöner als Puno und es ist tagsüber nicht ganz so kalt. Ich verschlafe mein Frühstück, gebe meine Wäsche zum waschen ab und erkundige mich nach Touren zum Colca Cañon. 60 Nueva Sol kostet eine Tour. Hmm, denk ich. Das überlege ich mir nochmal. Ich ziehe in die Stadt. Arequipa wird auch die weiße Stadt genannt. Viele Häuser im Kolonialstil bestehen aus dem weißen Vulkangestein Sillar. Wie in fast allen Städten Lateinamerikas, ist der zentrale Platz der Plaza de Armas.




Auf dem Marktplatz spricht mich ein Touristenführer an. Er sieht, wie alle, bereits von weitem, dass ich Tourist bin. Er bietet mir eine Tour zum  Colca Cañon an. Er wolle 50 Nueva Sol und ich solle doch ins Büro kommen. Warum nicht, denke ich und folge. Es sah wirklich sehr zwielichtig aus, aber ich hörte mir das Angebot an. Frühstück, Abholung, Rückreise usw. Klingt nicht schlecht. Ich beginne zu verhandeln. Mein Hostel wolle dafür nur 45 Nueva Sol, lüge ich. Stutzend schauen mich die Reiseplaner an. Bevor sie überlegen können, sage ich "Für 40 mache ichs, sonst geh ich." und stehe auf. "Okay 40!", ruft er. Wahrscheinlich bezahle ich dann immer noch mehr als ich muss, aber egal.

Mitten in der Nacht stehe ich für die Abholung auf. Die Idee ist, dass wir im Morgengrauen in der Schlucht ankommen. Dafür müssen wir jedoch noch drei Stunden fahren. Zwei Argentinier und ich fahren zusammen in einem Kleinbus aus unserem Hostel los. Ich bin super eingepackt. Lange Unterhose, Handschuhe und Decke. Ich bin vorbereitet. Wir halten an einem Hostel. Ein älterer Mann steigt ein. Es ist fast niemand im Wagen. Perfekt. Schlafen ist angesagt. 
Wir halten erneut vor einem Hostel. Es tönt Musik heraus. Ich ahne böses. Zwei Jugendliche springen auf die Straße. Betrunken und blutjung. In den Gesichtern leuchtet Fingerfarbe. Ein Junge trägt eine Weste und einen Fes. Er sieht aus wie Abu, der Affe aus Aladdin. Inzwischen stehen an die sieben Jugendlichen auf der Straße. In Tanktop, T-Shirts und Jogginghose. Unser Führer, selbst mit dicker Jacke, sagt noch freundlich, dass es besser wäre, sich was warmes anzuziehen. "Ich brauche das nicht.", verkündet Abu. Er ist Australier. Seine Freunde ebenso. Sie nehmen Platz im Bus. Ein Junge namens Greg verlangt eine Massage. Einmal. Er nervt mich tierisch. Zweimal. Abu schnarcht. Ich hasse ihn. Dreimal. "Greg", denke ich, "halt doch einfach die Fresse". Viermal. "Greg", sagt eines der Mädchen, "halt doch die Fresse". Ich klatsche. "Wer klatscht da?", fragt Greg und fragt erneut nach einer Massage.  

Zum Glück schliefen die Australier alle schnell ein und fahren durch die Berge. Als wir ankommen, frieren sie. Willkommen im Colca Tal. Der zweittiefsten Schlucht der Welt
 


Wir kommen in einer kleinen Stadt an. Chivey heißt sie. Die Sonne steht am Himmel und dennoch sehe ich vergnügt mit an, wie die Australier frieren. Zwei kleine Kinder in Tracht stehen am Rand der Straße. Angeblich seien es die Kinder unseres Fahrers. Deswegen durften wir sie auch fotografieren. Ein Junge und ein Mädchen. Man erklärt uns, dass früher alle diese Trachten trugen und sich die Jungs öfter mal als Frau verkleidet haben, um auf diese einen Blick zu werfen. Damals wurden sie nämlich streng getrennt.












Unser Ziel ist das Kreuz des Kondors. In der Morgensonne nutzen diese die warme Luft, um ein über der Schlucht zu kreisen.
 


 Die Touristen tummeln sich, um ein paar Bilder von den Kondoren zu machen. Wie immer ist es überfüllt und voller Menschen verschiedenster Herkunft. Wir fahren weiter und kommen in der nächsten kleinen Stadt an. Dutzende Stände verkaufen Kleidung und Souveniers, sowie Erfrischungen. Ein Peruaner balanciert einen Falken auf seiner Schulter. In der Hand hält er die Leine zu einem Babyalpaca namens Monica. Süßes kleines Ding.



Das letzte Ziel des Ausfluges sind die heißen Quellen. Während sich die Australier dort wieder aufwärmen, springe ich auf einen der großen Felsen in der Mitte des Flusses und sonne mich. "Don`t stop believing" ist auch in Peru noch immer ein toller Song.



Wir fahren zurück nach Arequipa und passieren noch einmal die Bergebene. Es liegt Schnee. Ich freue mich riesig, da ich nun seit vielen Monaten keinen mehr gesehen habe. Man vermisst das, was man nicht hat.



Ich kehre ins Hostel zurück. Mein Bus nach Lima wird bald fahren, also packe ich meine Sachen. Ich frage nach meiner Wäsche und erstarre. Sie ist noch nicht fertig. Man versprach mir, dass sie es sei. Ich wartete. Wann ich denn los müsse, fragt der Hostelboy. Naja jetzt, sage ich. Oh, sagt er. Er sagt ich solle vorfahren und er würde zum Terminal kommen. Also steig ich in ein Taxi und düse los. Ich finde mein Terminal erst nicht. Die Uhr tickt. Ich finde es, will einchecken. Ich müsste vorher noch eine Abgabe zahlen, sagt der Mann am Schalter. Ich fluche so laut auf deutsch, dass sich Leute nach mir umdrehen. Nun muss ich wieder an das andere Ende der Halle spurten, 2 Nueva Sol in eine Kabine schleudern, um ein doofes Stück Papier zu kriegen, was der Mann am Schalter kurz begutachtet und zu meinem Entsetzen direkt in den Müll schmeißt. Ja Danke, sage ich.
Ich gehe durch den Gang und steige in den Bus. Noch immer keine Spur von meiner Wäsche. Ich werde nervös. Auf meinem Platz sitzt ein Mann. Ich habe Mühe, mich zu kontrollieren. Kann der sein Ticket nicht lesen? Ich gehe zur Reisebegleiterin und frage nach meiner Wäsche. Sie versteht nicht ganz, was ich möchte. Ihr an die Wäsche? Nein, nein. Ich gehe wieder zum Mann am Schalter. Da ist der Hostelboy ja! Endlich!
Er gibt mir meine Wäsche, wir schlagen ein, ich steige ein, ich schlafe ein.


Rumtreiberfragmente: Das seltsame B

"Deutsch ist so schwer zu lernen", sagt sie und schlendert neben mir her.
"Ihr habt die Buchstaben mit den Punkten drauf und jedes Wort beginnt mit STR....".
Ich überlege. "Das stimmt doch so gar nicht."
"Ach Nein? Wie sagst du dazu?" Sie zeigt auf den Boden vor sich.
"Straße....oh."
Sie lächelt überlegen. Daniela ist aus Venezuela. Sie spricht Spanisch und ein bisschen Englisch.
"Außerdem habt ihr das seltsame B."
"Das was?"
"Das B. Das Seltsame"

Es vergehen Wochen bis ich verstehe, wovon sie gesprochen hat.

ß

Montag, 23. September 2013

Deutsche Klangagressivität

Wie klingt Spanisch für den Deutschen? Für den einen leidenschaftlich, wie Musik, pulsierend, anziehend, erinnert an Urlaub, Sonne und Meer, an heißblütige Frauen und charmante Männer? Oder einfach nur kauderwelsch, runtergeratterte Worte ohne Zusammenhang, unmöglich zu lernen, zu verstehen, akzentfrei zu sprechen?

Einer der Gründe, warum ich in Argentinien bin, ist mein Verlangen diese Sprache zu lernen. Ich würde also zur ersten Variation tendieren. Dabei bleibe ich deutsch treu, habe es studiert, gelesen und lieben gelernt. Doch in vielen Situationen fiel mir auf, wie schwer unsere Sprache ist. Habe ich noch Probleme zu verstehen, wann ich "por" und wann "para" nutze, wann ein Wort, obwohl auf "a" endend, doch einen männlichen Artikel erhält und wann nicht. Dazu kommen spezielle Ausdrücke, Redewendungen, Flüche und Ausnahmen, Dialekte und auch noch andere Akzente. Ich spreche gut, aber bin fern vom Muttersprachlerniveau.

Ich habe jedoch auch erlebt, wie Deutsch für die Argentinier klingt. Schwierig, agressiv. Eher wachsen einem Flügel, als das man dieses agressive Gegrunze fließend sprechen könne. Das hört nicht bei Argentiniern auf. Musste ich doch schon am Weihnachtsabend ganze Arbeit leisten, um drei Engländerinnen und eine Israeli davon zu überzeugen, dass "Ich liebe dich", durchaus so romantisch klingen kann, wie es im Idealfall gemeint ist. Musste ich doch erklären, dass ich mich mit Danü nicht im Stillen gestritten habe, als ich einmal längere Zeit auf deutsch auswich, um schnell eine Situation zu erklären.

Ich gehe also mit Danü durch die Florida. Größte und anstrengendste Einkaufsstraße von Buenos Aires. Ledergeschäfte und überteuerte Souveniers und Cambiopokemon, Männer, die Touristen einen besseren Wechselkurs anbieten und wie Pokemon nur ein Wort rufen: Cambio.
Ich erkläre Danü eine Situation und verwende in meinem Redefluss die Worte "...und da dachte ich mir doch...". Ein Mann hinter uns schnappte das auf. Und gab wieder, was er verstand. CHHHCH CHCHCHH.

Ich bin verwirrt. Beleidigt sein oder verwundert?

Stromausfall...

Es ist kalt in Buenos Aires. Es ist Winter. Kein Deutscher Winter, kein Schnee, kein Räumdienst. Aber Wind, Feuchtigkeit und undichte Häuser. Ich habe noch kein Fenster gesehen, dass 100% abgedichtet ist. Selbst Bekannte, die in besseren Gegenden wohnen, klagen über ständigen Zug in der Wohnung.

Mein besten Freunde wurde die Heizung und eine dicke Decke. Und die heiße Dusche.
Dann begannen die Bauarbeiten. Eine komplette Straße wurde neu asphaltiert. Ich kam heim von der Arbeit und es gab keinen Strom. Nicht unnormal in Argentinien. Gerade an heißen Tagen nutzen alle ihre Klimaanlage. Ich wanderte durch meine dunkle Wohnung. Seit Wochen wohnte ich schon alleine. Aus Reflex drückte ich den Lichtschalter in meinem Zimmer. Nichts passierte. Ich zündete Kerzen an und überlegte. Mein Laptop hat eine Akkuladung für ungefähr 90 Minuten. Mein Handy hat weder Guthaben noch Akku. Ich beschließe, erstmal was zu kochen. Dank Gasherd geht dies noch. Ich ging in mein Zimmer. Aus Reflex drückte ich den Lichtschalter in meinem Zimmer. Nichts passierte. Dann aß ich und versuchte, bei Kerzenlicht zu lesen. Ich nutze meine letzten 90 Minuten Akku des Laptops, bis ich dösig wurde. Aus Reflex drückte ich den Lichtschalter in meinem Zimmer. Nichts passierte. Dann schlief ich.
Am nächsten Tag war es dunkel und kalt. Ich fror. Ich ging ins Bad, um zu duschen. Kehrte zurück. Aus Reflex drückte ich den Lichtschalter in meinem Zimmer. Nichts passierte. Verdammt.

Im Büro war es warm und geheizt. Ich kehrte wieder in meine Wohnung zurück. Es gab wieder Strom. Ich war erleichtert. Ich ging ins Bad, um mir die Hände zu waschen. Ich drehte den Wasserhahn auf. Nichts passierte. Echt jetzt?

Sonntag, 22. September 2013

Der alte Marty und das Meer

Meine letzte Reise innerhalb Argentiniens führte mich nach Mar del Plata. Küstenstadt, Urlaubsort und Seelöwenland. Los Lobitos, sagen sie auf Spanisch. Klingt süßer als sie sind.

Eigentlich fahre ich für eine Konferenz dorthin, doch durch geschickte Verhandlungen und das Mitleid mit Langzeitpraktikanten - wohl eher nur durch das Mitleid - kann ich einen Extratag herausschlagen. Also rein in den Bus und los.

Früh morgens komme ich an, checke ein und schlendere zum Meer. Das Meer entspannt mich. Obwohl ich den Schwarm gelesen habe, beruhigt mich die Nähe des Wassers. Ich wandere zum Hafen. Die Fischerindustrie scheint hier noch sehr stark zu sein. Alte Bote im Wasser. Ein seichtes Hafenbecken. Was ist das? Eine Seelöwenstatue. Cool, gleich mal ein Foto machen. Ich falle fast hin, als ich merke, dass es ein echter Seelöwe ist. Er sonnt sich entspannt im Hafen. Nicht viel weiter weg ist noch einer. Ich wusste ja, dass es die hier gibt,aber so nah? Ich könnte den praktisch anfassen. Langsam nähere ich mich für ein Foto. Er bemerkt mich, schaut mich an und brüllt als ich einen Schritt auf ihn zu mache. Ich weiß, dass diese Tiere langsam sind, aber dennoch traue ich mich nach diesem Brüllen nicht nochmal so Nahe heran.

Ein alter Mann kommt, um die Seelöwen wieder ins Meer zu treiben. Dafür schlägt er mit einer Metallstange vor ihnen auf den Boden. Der Lärm kommt wohl einem Wecker gleich, der mich nach einer Nacht voller Umtrunk aus dem Schlaf reißt. Ich kann die grummelige Reaktion verstehen. Ach, Seelöwe. Mein Seelenbruder. Ich fühl mich dir verbunden. Der Seelöwe brüllt den alten Mann an. Ich zucke zusammen. Okay, vielleicht fühle ich mich doch nicht so verbunden. Ich schlendere weiter am Hafen lang und lande am Platz, wo sich alle Seelöwen sonnen. In Gruppen baden sie zusammen oder liegen einfach nur da. Einige Momente lang schaue ich zu, bevor ich wieder umkehre.




Ich gehe zum Strand. Es trohnt vor dem Meer die kleine Skyline Mar del Platas. Alles in seichtes Grau getüncht. Ich klettere auf den Steg und stehe vor dem Atlantik, umringt von Wasser.


Hinter mir ertönt Bellen. Eine Gruppe Hunde kommt heran gelaufen. Bellen sie mich an? Stehe ich auf ihrem Revier? Nein. Sie bellen tatsächlich die Wellen an. Eine Welle kommt. Sie bellen. Die Welle bricht am Land. Die Hunde triumphieren. Doch da kommt schon die nächste.

Das Wasser macht mich nervös. Es fehlen keine 5 Wochen bis ich wieder in Deutschland bin. Und ich hatte mir noch keine klaren Vorstellungen gemacht. Es wird Zeit für die Konferenz. Ich drehe mich noch einmal um. Keine 5 Wochen mehr.


Montag, 9. September 2013

Reise nach Peru - Teil 5 - Machu Picchu


Ich weiß gar nicht, ob es das laute Flüstern meiner drei Schauspielerfreunde war oder das plätschernde Wasser von draußen, was mich geweckt hat. Auf jeden Fall erschrecke ich mich unheimlich, als ich diese Geräusche höre. Zum einen weil ich wirklich kurz denke, ich hätte Einbrecher im Haus, zum anderen weil ich denke, dass es draußen in Strömen regnet. Aber es ist nur der Fluss nahe meines Hostels.
Ich richte mich auf. Die Luft ist feucht und riecht nach Wald. Meine englischen Reisefreunde beklagen sich über Husten und Asthma. Mir geht es gut. Während die Engländer sich bereits auf den Weg machen, da sie den Berg als erste erklimmen möchten, gehe ich erstmal duschen. Es ist 5 Uhr. Mein Führer Alberto würde erst um 6 kommen.
Während meiner Dusche, Gott sei Dank kurz vor Ende, fällt der Strom aus. Kein heißes Wasser mehr in Aguas Calientes. Ich ziehe mich an, suche meine Sachen zusammen und stelle fest: Kein Strom? Kein Frühstück!


"Dein Führer war schon da", sagt mir der Hostelportier. Wie jetzt?, frage ich mich selbst. "Er kam jedoch eine Stunde zu früh. Er kommt gleich wieder." Alberto ist bestimmt eine gute Seele, aber der ist ziemlich verwirrt. Als er auftaucht, sagt er mir, dass wir noch zwei andere Reisende abholen müssen und wir gehen vom Hostel zum Zentrum des kleinen Örtchens. Strom gibt es nirgendwo. Wir halten vor einem Hotel. Die Gäste essen drinnen bei Kerzenschein vom Buffet. "Blöde Bonsen!", murmele ich hungrig.
Dem verwirrten Alberto und mir schließt sich ein junges Paar an. Ein Kanadier namens Dave und eine Brasilianerin deren Name ich beim 4. Mal immer noch nicht verstanden habe. Sie gluckst, als sie sich vorstellt. Vielleicht lag es daran.

Wir pilgern zur Station und fahren den Berg hinaus. Im Minutentakt fahren die Busse ab. Die Straße zum Machu Picchu gibt es erst seit den 50er Jahren. Vorher musste man die Strecke zu Fuß zurücklegen.

Oben angekommen, tummeln sich Touristen vor dem Einlass. Erneut finde ich mich in normaler Straßenkleidung wieder, während ich einer Horde von professionellen Bergsteigern und Wanderern gegenüberstehe. Viele werden den Inkatrail gemacht haben. Eine Wanderung durch die Berge von mehreren Tagen, die schließlich am Machu Picchu endet. Unglaublich teuer und das dafür, dass man im Freien schläft und friert und die wunderbare Natur sieht. Vielleicht ist es das Geld ja doch wert.

Die einzige Toilette auf dem Berg befindet sich außerhalb des Geländes von Machu Picchu. Ebenso das einzige (überteuerte) Restaurant. Verdammt! Alberto verschwindet erstmal für eine Viertelstunde auf der Toilette. Eilig hat er es nicht. Als er wiederkommt, führt er uns auf die erste Passage.


 Vor uns öffnet sich der Dschungel. Man steht vor einem Panorama aus Hügeln, einem klaren blauen Himmel und unendlichem grün. "Willkommen auf dem Machu Picchu" , verkündet Alberto. Er schaut sich gar nicht erst um. Zu oft hat er das hier schon gesehen. Wir stehen vor der Stadtanlage. Ich flippe fast aus, als ich ein Lama sehe. "Ja, die wohnen hier", freut sich Alberto. Die Brasilianerin gluckst fröhlich.

 
Alberto führt uns durch die Gemäuer, erklärt uns Sinn und Zweck eines jeden Hauses. So hatten die Priester und die Führer des Volkes immer Häuser, die aus glattem Stein bestehen, während die einfachen Unterkunften aus aufeinander gewürfelten Steinen bestehen. Kleine Nischen fördern die Akustik, Halterungen dienen als sichere Tür, unterirdische Wasserspeicher schützen vor Regenüberschwemmungen. Die Incas konnten bauen, das steht fest.

 


Nach einer guten halben Stunde verabschiedet sich Alberto und lässt uns alleine. Ich entdecke meine englischen Freunde, die sich auf einem Stein sonnen. Inzwischen war es sehr warm geworden. Sie erzählen mir vom Berg Machu Picchu und das sie dort nicht herauf durften, weil sie kein Ticket haben. Habe ich nicht so ein Ticket? Ich schaue darauf. Ja, habe ich. "Na dann mal schnell", sagt einer, "Du kannst da nur bis 11 Uhr hoch." Ich schaue auf die Uhr. 10:30 Uhr!

Ich renne zum Berg und stelle fest, dass ich keine Kondition mehr habe. Das liegt nicht am Wein und Fleisch, das liegt an der Höhe. Ja genau, die Höhe. Ich erreiche den Eingang zum Berg. Außer Atem trage ich mich in eine Liste ein und verzichte darauf, die Incas zu verklagen, falls ich vom Berg fallen sollte. Es begann der Aufstieg.





Ich keuchte bereits als ich mich eintrug und nun steige ich in Affenhitze auf den Berg. Die Höhe machte mir zu schaffen. Noch immer ein leerer Magen. Ich beginne zu fluchen.
"Verdammter CW, haben wir doch damals in Chile beide zusammen diese Hürde genommen. Und nun? Wo ist er? In Buenos Aires legt die Beine hoch und schlürft faul seinen Mate! Nach einer halben Stunde Aufstieg dreche ich mich um. Wow, was für eine Aussicht!
Das hast du nun davon CW, dass du nicht mitgekommen bist! Jetzt verpasst du was! Das hast du nun davon. Verdammter Aufstieg. Ich bin schon wieder außer Atem. Und CW? Der schlürft Mate!"
So ging das fast den ganzen Aufstieg.
 
Ich stehe oben und schaue hinab. Mir wird bewusst, dass ich mir gerade einen Traum erfüllt habe. Ich setze mich hin und höre Musik und schaue einfach hinab.Ich hab irgendwas ins Auge gekriegt.










Ich schaue ab und an auf ankommende Touristen, die mich erleichtert anlächeln als sie angekommen sind. Ein Parkranger liegt schlafend in der Ecke. Er passt auf, dass uns nichts passiert, wenn er denn nicht schläft. Danke, dass es dich gibt Parkranger!
Ich schlendere rüber zu einem kleinen Pavillon. Zwei Chileninnen sprechen mich an und fragen mich, ob ich ein Foto machen könnte. Klar!
Wir freunden uns an. Francia und Fernanda geben mir freundlicher Weise etwas von ihrem Proviant. Ich habe schon wieder was im Auge, so sehr freue ich mich. Apfel? Her damit. Sandwich? Ja, lecker. Kekse? Lieber gleich sieben! Ein anderer Chilene kommt vorbei. Wir schießen Fotos.

Irgendwann wachte der Ranger auf. "Okay Leute, nun müssen wir aber runter vom Berg." Keiner reagiert. Er resiginiert. Eine halbe Stunde später versucht er es erneut. "Jetzt aber runter. Kommt schon." Er scheint verwundert, dass er sich nicht durchsetzen kann. Hätte er mal weniger geschlafen.

Wir beginnen den Abstieg. Ich drehe mich noch einmal um. Es war fantastisch.

Donnerstag, 29. August 2013

Der Rückkehrer: Prolog

Die Zeit war schneller oder ich war zu langsam. Obwohl mir das Schreiben Spaß macht, habe ich es nicht geschafft, in meiner Zeit in Argentinien alles fertig zu schreiben. Seit dem 25. August bin ich wieder in Deutschland. Aber es fehlt noch so vieles. Peru, meine Abenteuer mit CW, mein Trip nach Mar del Plata und und und....

Ich werde daher weiter schreiben. Für euch und für mich.
Geschichten muss man auch zu Ende erzählen...

Montag, 29. Juli 2013

Reise nach Peru - Teil 4 - Vier Prominente in heißen Gewässern

Offiziell ist der Zug die einzige Möglichkeit, um nach Aguas Calientes zu kommen. Von dort aus geht es endlich zum Ziel: dem Machu Picchu. Laut anderen Couchsurfern soll es noch einen Bus geben, der aber wohl bedeutend länger braucht als der Zug, da er die ganze Bergkette umfahren müsse. Die Zeit habe ich nicht. Als bleibt mir nur der Zug. Hin- und Rückfahrt ca. 100 US-Dollar. Hui, wenn das die Argentinier wüssten.  Ich bin noch immer in Olleytantambo. Mit Sack und Pack stehe ich an der Haltestelle. Auf Spanisch frage ich einen Bahnhofsmitarbeiter, wo ich denn hinmüsste. Er scheint erleichtert, dass ich ihn auf seiner Muttersprache anspreche. Der Zug rollt ein und spuckt eine Ladung Touristen aus. Ich sehe Camelbags, Wanderstöcke, Sonnenbrillen, Hüte - wie hab ich bis hierhin nur überlebt ohne all das Zeug - und soweit man das oberflächlich festzustellen vermag, jede Nationalität dieser Welt. Der Tourismus blüht.


Der Zug ist eine Attraktion. Äußerlich grün gestrichen, beherbergt er Sitzreihen aus weichem hellbraunen Leder. Das Personal ist uniformiert, die Damen überschminkt. Da ich einen festen Sitzplatz habe, schaue ich zu, wie sich alle regelrecht in den Zug drängen, um dann als einer der letzten Passagiere den Zug zu betreten. Diese Ruhe habe ich doch tatsächlich von CW gelernt. In Salta schien er damals den Leuten regelrecht was an den Kopf werfen zu wollen, wenn sie sich trotz eines festen Sitzplatzes, der noch immer da gewesen wäre, wenn man als 50. Passagier den Flieger betritt und nicht als erster, lieber um einen besseren Platz in der Schlange bemühten. Typische CWische Ironie, dass er, sich aufregend, doch Ruhe fordert.

Ich habe einen Fensterplatz und stoße ein freudiges "Yeah!" aus, als mir das bewusst wird. Ich setze mich und begrüße meine Mitreisenden. Neben mir sitzt ein junger Robin Williams, der sehr müde zu sein scheint. Mir schräg gegenüber sitzt George Takei aus einem Paralleluniversum, in dem er Bibliothekar wäre. Der Jugendliche, der mir direkt gegenüber sitzt, sieht aus wie Bruno Mars. Vom Hostel in Cusco trage ich noch immer das Armband, was mich als Gast kennzeichnet. Bruno trägt ebenfalls so eins. "Wuuuh Hostel Friends", sage ich. Wir kommen ins Gespräch. Bruno lebt in England, ist aber in Paris geboren. Während seiner Reise nach Peru hat er Robin kennengelernt, der neben mir friedlich schlummert, und dessen Freund kennengelernt, der wie Bradley Cooper aussieht. Dieser ist drei Reihen hinter uns mit einer buten Sonnenbrille auf der Nase ebenfalls eingeschlafen.
Bruno und ich werden Freunde und quatschen die ganze Fahrt. Am Urabamba vorbei fahrend, passieren wir Felder, Berge und kleinere Dörfer, schneebedeckte Bergspitzen und eine langsam untergehende Sonne. Bruno ist so abgelenkt, dass er sich Kaffee auf die Hände kippt. Robin schläft und George ebenso.



Es ist schon dunkel als wir endlich in Aguas Calientes ankommen. Die kleine Stadt, tief im Innern Perus, versteckt zwischen Bergen und von einem Fluss gespalten, wird in meinem Reiseführer als die hässlichste und teuerste Stadt Perus beschrieben. Warum? Tourismus.


Als Norddeutscher bin ich noch immer ganz irritiert, wenn sich vor mir ein Berg erhebt. Mit der Höhe selbst habe ich hingegen nie Probleme gehabt. In Jujuy war ich auf 4000m über dem Meeresspiegel. Hier sind es nur 2090m. Am Bahnhof schreien Hostelguides und Fremdenführer die Namen von Touristen. Es ist schwierig, die Rufe zu verstehen, weil die Namen teilweise furchtbar geschrieben oder noch furchtbarer ausgesprochen werden. Mein Führer mit dem Schild Loki, lässt sich jedoch schnell finden. Meine englischen Schauspielfreunde, die mich mittlerweile mit Russel Crowe verglichen haben, folgen mir.

Ich empfinde es als Kompliment, wenn man mir sagt ich sehe Russel Crowe ähnlich, auch wenn er doppelt so alt ist wie ich. Man dichtete mir auch schon mal Ähnlichkeit mit Justin Timberlake an - immerhin nur sieben Jahre. Der sieht man überhaupt nicht aus, wie Russel Crowe. Sehe ich dann so aus?

Die Jungs folgen mir in mein Hostel, weil sie noch keines haben und wir teilen uns schließlich ein Zimmer. Vom Hunger geplagt, brechen die drei auf, um was zu essen, während ich im Hostel auf meinen Guide warte. Dieser soll mir am nächsten Tag die Ruinen zeigen.
Das Hostel ist schlicht und nicht sehr schön. Im Hintergrund hört man Wasser toben, die Luft ist sehr feucht. Die Stadt liegt auf einem Hang. Wer oben wohnt, ist meist ärmer und hat keine gute Anbindung. Ebenso das Hostel. Ein großer Mann mit weißer Schirmmütze tritt ein und grüßt den Hostelbesitzer. Sie tuscheln kurz und wenden sich zu mir. "Ich bin dein Guide", sagt er auf Englisch. Sein Name ist Alberto. Auch er war erleichtert, als er erkannte, dass ich spanisch spreche. Er erklärte mir den Ablauf. Wir würden uns treffen, hinauf fahren und dann mit der Tour beginnen. Nach dem Mittag könnten wir dann alleine alles erkunden. Alberto war nett, doch er schien lange überlegen zu müssen, wenn er was sagen wollte. Auch auf Spanisch.
Als wir feststellen, dass mir noch die Bustickets fehlen, gehen wir los, um diese zu kaufen. Nett, dass er mich begleitet. Vor uns müssen wir unter einer Brücke hindurch gehen. Alberto stockt. Bleibt stehen. Sammelt Mut und geht hindurch. Er hätte Angst, dass sie runterfällt, sagte er. Ich nickte verständnisvoll.

Nach dem Kauf meiner Tickets war ich erleichtert. Alles hat bisher geklappt. Ich treffe die Jungs in einem Diner und wir ziehen los, etwas trinken. Vor einer Bar spricht uns ein kleiner Peruaner an. "Happy Hour Happy Hour", ruft er. "4 Pisco Sour für 20 Soles". Ungefähr 5,50€.
Wir zweifelten. Ins erstbeste Lokal? Oder doch weitersuchen. Der Mann bemerkte unserere Zweifel. "Wenn ihr reingeht, kriegt auch ein Foto mit Manuel". Er zeigte auf seinen Rücken. Manuel? Der Peruaner zog seinen Kragen zurück und es starrten uns zwei Augen an. Er hatte irgendein Tier auf seinem Rücken. Ich dachte erst es wäre eine Fledermaus, dann ein Meerschweinchen, bis Bruno es erkannte. "It`s a fucking Monkey." Es war ein Äffchen. Der Peruaner trug ein kleines Äffchen Huckepack.

"Ich kann nicht glauben, dass der Trick mit dem Affen geklappt hat", sagt Brad.

Wir schlürfen Pisco Sour. Reden über Film und Fernsehen. Bruno ist im Flirtfieber und ohne Hemmungen. Er springt von Tisch zu Tisch und flirtet, wechselt sogar von Englisch auf Französisch. Sein Spanisch ist solala. Sogar Deutsch spricht er. Ein wenig. "Ein Scherz!", ruft er und reißt seine Augen auf. Hat er aus Inglourious Basterds gelernt. Er imitiert den Schauspieler August Diehl.



Nach insgesamt 12 Pisco Sour, drei für jeden, ziehen wir weiter. Bruno will Spaß, doch das bietet Aguas Calientes nicht wirklich. Im ersten Nachtclub ist nichts los. In einer Bar, die Bruno empfohlen wurde, ist nichts los. In zweiten Nachtclub gibt es eine Gruppe Jugendlicher. Bruno tanzt, kriegt einen Korb. Es ist nichts los. In seiner Verzweiflung sucht er nun noch etwas zu Rauchen. Ebenfalls erfolglos und doch ist er treibende Kraft unserer Gruppe. Nach einer Weile resigniert er. Wir kehren um und gehen wieder ins Hostel. Hinter und vor uns ragen die Berge in die Nacht.

Morgen geht es nach Machu Picchu.