Freitag, 28. Dezember 2012

Rumtreiberfragmente: Martín, Martin, Marten

Buenos Aires. Später Abend. Ich fahre mit dem Taxi heim und plaudere mit dem Taxifahrer. Ich habe ein bisschen Wein getrunken, was meine Spanischkenntnisse - zumindest aus meinen Augen - unglaublich fördert. Wir sprechen über Arbeit, Europa und Buenos Aires. Dass ich Ausländer bin, hat er schon beim Einsteigen erkannt, als ich ihm meine Straßenecke sage.

-"Wie heißt du?", fragt der Fahrer am Ende unserer Fahrt.
-"Ich heiße Marten. Freut mich!"
-"Martin?", stutzt er.
-"Nein, nein. Marteeeen", betone ich,"mit Eeee!"
-"Martín?", fragt er.
-"Nee fast. Wie Martin nur halt mit E."  
Jetzt muss er es aber haben.
-"Warte mal. Also ist es Martín oder Martin?"  
Ich resigniere.
-"Ja, Martin ist richtig."

Beim Aussteigen werfe ich einen letzten Blick auf den Aushang der Fahrerinformationen:
Xalvador Teodoro Gualterio. Und meinen Namen versteht der nicht?

Marty in Chile. Kapitel 3 - Von Bergen und Kraken

Im Reiseführer fand ich den Tipp, doch unbedingt mit der Seilbahn über Santiago zu fahren. Dafür müssen wir auf den Hügel San Cristobal. Wir lassen uns bei einer Affenhitze durch die Stadt treiben, bis wir den Hügel erreichen. Ich erfahre, dass die Seilbahn kaputt ist. Natürlich sagt man nicht, dass sie kaputt ist. Man sagt, sie werde repariert.

Die Aussicht ist beeindruckend. Wir sind keine 1000 Meter über der Stadt und können doch alles überblicken. Am Horizont verschwimmen die umliegenden Bergipfel, der ein oder andere ist sogar schneebedeckt.


Auf dem Berg steht die 19meter große Statue der Heiligen Maria. Alle sind im Weihnachtstrubel. Es steht ein Krippenspiel bereit, Vorbereitungen für ein Konzert werden getroffen. Wir pilgern zu der Statue und stehen am höchsten Punkt. Ich höre auf deutscher Sprache das Wort "geschmolzen" und sehe, wie eine Dame mit einem Chilenen Schokolade isst. Man kommt ins Gespräch: Warum sind Sie hier? Was machen Sie hier? CW beteuert weiterhin ein Argentinier, bzw. ein Buenos Airesianer zu sein. Porteños (von Puerto ("Hafen") abgeleitet), nennt man diese in Argentinien. Es wird ihm nicht geglaubt. Er versteht nicht, warum.  

Man diskutiert über die chilenische, die argentinsiche und die deutsche Kultur. Eine sehr nette Dame. Sie empfiehlt uns ein Restaurant, in das wir später gehen werden.

Zuvor jedoch der Abstieg. CW will nicht den gleichen Pfad wieder zurücknehmen, den wir heraufkamen. Also bedienen wir uns eines Schleichweges. Die Sonne knallt auf uns herab. Ich verbrenne mir wahnsinnig die Schultern. CW die Nase, die Stirn...das Gesicht. Er ist nun eindeutig als Tourist zu erkennen. Vielleicht ist sein Verstand auch überhitzt. Er ruft mich ständig mit dem Namen "Klaus".



Nachdem er wieder 2 completos (Hotdogs) als Stärkung brauchte, kauft er sich zudem noch einen Sonnenhut. Da er kein Geld hat, muss ich ihn zahlen. Sonnenbrand, Touristenhut, starker deutscher Akzent, mangelndes Spanisch und dennoch: CW ist Porteño. Klar!

Abends gehen wir in das Restaurant und es ist wirklich interessant. Ein ehemaliger, bzw. noch intakter und lediglich umgebauter Frisörsalon, als Restaurant. Ich versteh nicht ganz, was das für Tiere auf der Karte sind. Kenne ich doch den maritimen Wortschatz noch nicht. Ein Kellner erklärt mir, was ein Pulpo, ein Kraken ist.

"Un Calamar", sagt er und formt mit den Händen eine Kugel. Dann schaute er mich an, freut sich riesig und sagt "un calamar grande"...Leicht verwirrt bestelle ich Fisch. CW den Kraken.
Ich nerve ihn mit der ständigen Wiederholung des Filmzitates: "Unleash the Kraken!"

Ich trinke mein erstes chilenisches Bier. Es ist okay. Gibts auch Wein?

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Marty in Chile. Kapitel 2 - Die Ankunft

Wir landen in Santiago. Müde und ausgezerrt. Schlafen im Bus ist nicht unbedingt so meine Sache. Man schläft zwar, aber entspannt fühlt mich sich trotzdem nicht. Im Reiseführer lese ich, dass Santiago vier Terminal für Busse hat. Wo sind wir denn jetzt? Ich versuche mich zurecht zu finden, da beginnt CW bereits zu meckern.

"Wo sind wir denn?", fragt er.
"Ich weiß nicht, ich muss mal schauen."
"Wieso weißt du das nicht?"
"Weil es hier vier Terminals gibt."
"Ich dachte, du hättest die Reise geplant."
"Ja, aber ich war trotzdem noch nie hier!"
So ging das dann noch 15 Minuten.

Wir finden uns zurecht, fahren U-Bahn. Deutlicher schicker und entspannter als in Buenos Aires. Landen am Plaza de Armas, einem der Hauptplätze der Stadt. Unser Hostel wird als Geheimtipp gehandelt. Und wirklich...es bietet eine tolle Sicht auf den Platz.


Wir erkunden die Stadt. Anders als Buenos Aires hat Santiago kein Blocksystem in den Straßen. Buenos Aires ist wie ein Schachbrett aufgebaut. Ähnlich wie New York. Santiago nicht. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben. Clowns springen durch die Gegend, eine Band spielt, Menschen versammeln sich, es wird getanzt. "Haben die alle keine Arbeit?", fragt CW. Ich schweige.

In der Fußgängerzone kauft sich CW einen ... ich weiß gar nicht richtig, wie das heißt. Ah! Mote con Huesillos. Danke Wikipedia! Es handelt sich dabei um einen Saft aus Getreide, mit Getreide und Pfirsich. Wie wild trinkt CW den Saft, rührt das Getreide jedoch nicht an. Es sei ihm suspekt, sagt er. Warum dann überhaupt kaufen? Ich esse es auf.

Es schmeckt nach nichts, Konsistenz von Müsli. CW will sich später noch einen kaufen, sieht aber, wie ein Obdachloser sich selbst einen Becher mixt und stellt dann erschreckend fest, dass Mote con Huesillos in seiner Optik von Erbrochenem nicht zu unterscheiden ist.  
Nun spuckt er aus, sobald wir einen Stand passieren.


Er findet jedoch Gefallen an Completos - Hotdogs. In Argentinien nennt man sie Panchos. Stets zu später Stunde treibt ihn noch der Hunger um und er holt sich zwei Completos oder Süßigkeiten. Für einen Completo braucht er keine 60 Sekunden. Japsend, mehr schluckend als kauend, verschwinden sie in Windeseile in seinem Innern. Zu seiner Verteidigung: CW ist Familienvater. Da hat man nicht viel Zeit für sich selbst.


Auf dem Weg durch die Stadt landen wir plötzlich auf einem Open Air. Es geht um ein politisches Ziel. Ein Bauprojekt in Patagonien - auch in Chile gibt es Patagonien - soll verhindert werden. Erneut begeistert mich der politische Wille des Kontinents. Lateinamerika hat so viele Militärputsche erlebt, dass einem schwindlig werden könnte. Dementsprechend groß ist der Wille der Jugend und des Volkes sich zu beteiligen. Beneidenswert, wenn man sich Wahlbeteiligungen in Deutschland anschaut.


Abends wieder im Hostel streife ich durch die Räume. Seit unserer Ankunft, sitzt ein Amerikaner ständig im Gemeinschaftsraum vor Facebook. Morgens wie Abends in der gleichen Position.  CW spottet. Mir ist es egal. 

Auf dem Balkon treffe ich auf ein kleines Kätzchen und schließe Freundschaft. Es ist gar nicht so schlecht hier.

Marty in Chile. Kapitel 1 - Die Fahrt

Als Praktikant besitze ich ein Touristenvisum. Es ist 90 Tage gültig. Nach Ablauf dieser Zeit, bin ich illegal im Land. Ich muss also alle drei Monate das Land verlassen und wieder einreisen um erneut 90 Tage bleiben zu dürfen. Ein Umstand der mir viele Erfahrungen beschert, aber mich auch einiges kostet. Die Fahrt nach Chile ist nämlich nicht günstig.
Egal, ich mach es trotzdem. Auf nach Chile.

Durch die wahnsinnigen Distanzen in Lateinamerika - Von Buenos Aires nach Santiago immerhin 1550 km - reist man entweder mit dem Flugzeug oder mit dem Bus. Wir entscheiden uns für den Bus. Warum? Es ist teurer und dauert länger, aber wir fahren durch die Anden.
 

Ich reise mit dem Mann meiner Chefin - CW. Seines Zeichens Journalist, Philantrop und Nervensäge. 10 Jahre trennen uns vom Alter her. Die Mentalität ist oft gleich. Man redet über Frauen, über Filme und über schlechte Witze. Ab und zu jedoch auch über gesellschaftliche Themen, wie dem Fall der FDP, der gesellschaftlichen Rolle des Judentums und über den Journalismus. Ich hab als Gepäck einen Rucksack. CW einen Trolley. Bei den Fußwegen, die in Lateinamerika an Super-Mario-Level erinnern, ist das eine schlechte Idee.

Wir brechen um 17 Uhr in Buenos Aires auf. Erhalten 2 großzügige Sitze - direkt vor der Toilette - und fahren los. CW ist seit Juni in Buenos Aires und hat sich bereits integriert. Ein wenig zu sehr vielleicht. Die Sprache spricht er noch mit einigen Problemen, aber er trinkt den Mate-Tee ( wie man ihn in Argentinien nicht nennen darf) wie ein Suchtpatient. Und auch als einziger im Bus. Keiner sonst wagt den Versuch, bei 100km/h im fahrenden Bus mit Pulver, Becher und heißem Wasser zu hantieren. Er verschüttet das Pulver, kippt sich Wasser auf die Hose, kippt den Becher um, wieder und wieder. Überall ist gründer Schlamm. Wir werden von den übrigen Reisenden belächelt. Danke CW.

Es ist 22:30 Uhr. Ich versuche zu schlafen, aber der Reisebegleiter spielt einen Film ein. Ich habe nun wirklich keine Lust einen Film mit The Rock zu schauen.

Ich frage den Reiseleiter, ob er den Film leiser machen könnte.
Er antwortet. Ich verstehe kein Wort. Er ist Chilene. Er redet mit geschlossenem Mund.
Er schaltet unseren Fernseher aus - jede Sitzreihe hat einen eigenen - der Ton dröhnt weiter. Dieser sei nicht abzustellen. Im Halbschlaf warte ich, bis der Film endlich vorbei ist, um einzuschlafen.


Die Fahrt durch die Anden ist klasse. Ich habe noch nie oft Berge gesehen. Ich bin auch ein Nordlicht. Von daher begeistern mich die Täler und Berge sehr. Ab und zu, wie eine Marslandschaft. Nur ohne Rot.


Am Grenzübergang dauert alles ein wenig. Ich stelle fest, dass ich den Großteil meiner Reiseverpflegung nicht mit ins Land bringen darf.

"Ich hab hier Sandwiches. Darf ich die mitnehmen?"
"Was ist denn drauf?"
"Mozarella."
"Nein." Der Zollbeamte schmeißt mein Sandwich in den Müll.
"Und Schinken?"
"Nein." Das nächste landet im Müll.
"Ich hab auch noch Bananen."
"Bananen? hmmm. Nein!" Im Müll.
"Aber meine Bananen...." Zu spät.


Im Bus kriegen wir dann ironischer Weise Sandwiches. Sie schmecken mir nicht. Meine waren besser.
Ankunft in Santiago.

Freitag, 7. Dezember 2012

Schnupper Gas, Bösewicht!


Es regnet.



Nicht wie in Deutschland ein bisschen. Es regnet in Strömen und wenn, dann auch nur so. Buenos Aires ist eine Millionenstadt und existiert seit 1536 (Danke Wikipedia!). Nur Gott weiß, warum diese Stadt nie auf Regen vorbereitet ist.
Die Abflüsse nehmen nach kürzester Zeit kein Wasser mehr auf. In Sturzbächen läuft es die Straßen hinab und sammelt sich in riesigen Pfützen an den Straßenecken. Manchmal wird da selbst für mich der Sprung darüber heikel. Tiefergelegene Straßen sind vollkommen überflutet. Notdürftig geflickte Straßenschäden reissen wieder auf. So tat sich mitten auf der Straße ein Loch auf, in dem locker ein Kinderwagen hätte verschwinden können. Das Wasser läuft in den Untergrund und beschädigt Stromleitungen.
Ampeln funktionieren nicht. Auch in unserem Büro flackerte kurz das Licht. Die U-Bahn bleibt auch nicht verschont und fährt gar nicht. Die Massen von Menschen versuchen nun auf die Busse und Taxis der Stadt auzuweichen. Die Busse sind gnadenlos überfüllt, der Verkehr verstopft, nichts bewegt sich. Und es regnet.

Als wäre das nicht genug, erreichte uns gestern ein komischer Geruch. Ich dachte, jemand aus der Nachbarschaft würde kochen, riss die Fenster auf. Keine gute Idee. Unser Portier - fast alle in Argentinien haben einen Encargado, eine Art Türsteher und Hausmeister - kam dann mit der Meldung, wir sollen die Fenster schließen. Es wäre eine Giftwolke über der Stadt. Im Hafen der Stadt ist ein Container mit Inzektiziden in Brand geraten. Die Dämpfe haben sich, trotz des Regens, auf die Stadt verteilt. Ich habe Bilder aus der Tageszeitung La Nación gesammelt.





    
Langsam kriege ich den Eindruck, dass das Land mich nicht mag. Unerträgliche Hitze, starke Stürme, mein Fast-überfahren-Counter ist auf 5 gestiegen und gestern steckte ich für fast 30min im Fahrstuhl fest.
Aber ich übertreibe. Ich fühle mich inzwischen recht wohl und man gewöhnt sich schnell an das Leben hier. Bald werden meine Mitpraktikantinnen sowie meine Mitbewohnerin abreisen. Ein bisschen traurig werde ich da schon. Hat man doch teilweise die Stadt zusammen erkundet.

Zuhause angekommen - Taxis, U-Bahn und Busse fuhren ja nicht - war ich klatschnass, aber erleichtert. Der Himmel war dann doch etwas gruselig. Ob das noch am Gas lag?

Donnerstag, 22. November 2012

Córdoba: Rückkehr ist kein Gedanke, es ist Pflicht!

Ich bin zu groß für dieses Land. Der normale Argentinier wächst selten über eine Größe von 1,80 hinaus. Regelmäßig muss ich mich dort ducken, wo andere springen könnten. Nun liege ich krumm und schief auf einem Liegesessel. Der Sitz vor mir raubt mir die Beinfreiheit, also ragen meine Beine links und rechts daran vorbei. Sehr bequem! - nicht.

Ich bin für 4 Tage nach Córdoba gereist. Der 2. größten Stadt Argentiniens. Mein Arbeitgeber hat dort zusammen mit unserem Partner eine Konferenz über Wasser organisiert. Nutzung, Schutz, Bergbaufolgen, Gletscherregelungsgesetze (Wow vier G's in einem Wort). Das hat alles sehr viel Geld gekostet, deswegen musste ich mit dem Bus fahren. "Das ist wie ein Bett", sagte man mir, "wirklich sehr bequem." Ich wurde belogen. 9 Stunden dauert die Fahrt - ein bisschen länger als eine Fahrt von Hamburg nach München.


 
Um 7 Uhr morgens kommen wir (Meine Mitpraktikantin und ich) in Córdoba an. Es ist zu früh um in unser Zimmer zu gehen, also vertreiben wir uns die Zeit mit Sightseeing und Internet. Córdoba gefällt mir. Es ist eine Millionenstadt, aber das sieht man dem Stadtkern nicht an. Nur wenige Hochhäuser ragen in den blauen Sommerhimmel. Ja, Sommerhimmel. Es ist wahnsinnig heiß hier und es wird noch schlimmer.


Wieder zurück im Hotel werde ich freundlich begrüßt. Man kennt mich bereits im Büro unseres Partners. "Hola Marten" heißt es von hier und von da. Jetzt heißt es wieder küssen. Manch einer zwinkert mir sogar zu. Charmant und doch beklemmend. Schnell machen sich alle fertig und los gehts zur Konferenz. Die Eröffnungsworte hält der Gouverneur der Provinz Córdoba (Stadt und Provinz haben den gleichen Namen). Nicht schlecht. Fleißig gehe ich meiner Arbeit nach, schreibe mit, mache Fotos. Man hat extra einen deutschen Experten eingeladen. Sehr nett und humorvoll. Mich begeisterte die Fähigkeit komplexe Zusammenhänge runterzubrechen.
"Schmeiß dich an den ran!", flüstert mir meine Chefin zu.
"Bitte was?"
"Na das ist ein wichtiger Mann. Du weißt doch: Kontakte sind wichtig."
"Ich hab ihn doch schon zur Begrüßung geküsst. Reicht das nicht?"




Abends verabschiedete sich das Büro geschlossen vom Experten mit einem Weinumtrunk. Meine Chefin und der Berliner unterhielten sich über ihre persönlichen Erfahrungen mit der DDR. Einerseits wahnsinnig interessant, andererseits auch das Letzte was man hören will, wenn man 5 Stunden Schlaf im Bus gekriegt und den ganzen Tag gearbeitet hat. Dazu noch die betörende Wirkung des Weins. Ich schlief später wie ein Stein.
Den zweiten Tag der Konferenz habe ich dann schon mit der Vorarbeit verbracht. Ich unterhielt mich mit Erich, einem älteren Herren. Es stellte sich heraus, dass Erichs Vater Soldat auf dem Panzerschiff Admiral Graf Spee war. Er konnte sogar etwas deutsch. Nur hab ich ihn dann noch weniger verstanden als vorher. Ich habe mit ihm ausgemacht einen Tagestrip am Sonntag zu machen. Seine Tochter Natalia sollte auch mitkommen.
Ich wollte unbedingt raus und das Nachtleben kennenlernen.


Und es klappte. Über 1-2 Ecken (ein Couchsurfingkontakt und eine der Praktikantinnen aus Buenos Aires). Wir platzten direkt in eine B-day Party. Der CS-Typ fragte ein Mädchen, wer denn Geburtstag habe. Man kam ins Gespräch bis er auf mich zeigte und meinte "er ist Deutscher". Das Mädchen - die Augustina - quiekte entzückt. Ihr Freund spreche Deutsch und sie zog ihn zu mir. Das war der Moment einer wunderbaren Männerfreundschaft. Tomas - so heißt er - und ich haben uns perfekt verstanden. Zwar spricht er nur ein bisschen deutsch, aber mein Spanisch hat das fehlende ergänzt. Ich habe ihm einen großartigen Abend zu verdanken. Und eventuell, werde ich für Silvester wieder nach Córdoba fahren....mit dem Bus.


Mit einer fast schon greifbaren Fahne und klitzekleinen Igelaugen schlurfte ich Sonntag morgen in den Frühstücksraum des Hotels. Los gehts mit dem Tagestrip. Ich weiß nur noch, wie ich die Autotür schloss. Dann wachte ich mit Nackenschmerzen wieder auf. Aber der Wahnsinn. Córdoba (die Provinz) ist wahnsinnig schön. Hügellandschaften, Flüsse und Seen. Ich vermisse das Meer.
Von einem Aussichtsturm haben wir einen Superausblick auf die Landschaft.


Weiter gehts ins Villa Belgrano. Das Dorf der Deutschen. Für den Argentinier besteht Deutschland scheinbar nur aus dem Panzerschiff Admiral Graf Spee, Schokolade und Bier.
Dennoch ein schöner Ort. An der Architektur sieht man, dass hier viele Menschen mit deutschen Wurzeln leben.
Auf der Rückfahrt halten wir in Alta Gracia. Eine ganz süße - ja, süß!- Stadt.
Wir halten vor einem Che-Museum. Es ist geschlossen. Wir fahren weiter.




Wieder in Córdoba (der Stadt) suchen wir uns ein Hostel, in dem wir ohne Probleme unterkommen. Zu zweit im 8er Zimmer zu schlafen ist auch ganz nett. Am nächsten Tag erkunden wir etwas die Stadt und machen Siesta in einem Park. Es ist erneut wahnsinnig heiß. Ich weiß in Deutschland ist es grau und kalt, und man wünscht sich Sonne, aber das ist echt nicht zum aushalten.
Am Abend treffe ich nochmal die Leute vom Samstag aus dem Club, Tomas und Co. Ich merke schnell. Ohne Bier ist es deutlich schwerer sich zu unterhalten, aber es klappt. Wir sprechen über meine Rückkehr nach Córdoba. "Versprik es!" forderte Tomas.
"Eine Rückkehr ist kein Gedanke, es ist Pflicht!", heißt es von Erichs Tochter später in Facebook.

Auch wenn sie es nicht lesen, aber trotzdem danke an Erich und Natalia für den tollen Ausflug und danke an Tomas und Augustina für die tolle Party.
Ich werde wieder hinfahren.

Am Omnibusterminal stehend sehe ich den Bus kommen. Unweigerlich muss ich an Dante denken. Hab mich für meine letzte Prüfung damit beschäftigt. Über dem Tor zur Hölle steht geschrieben: "Ihr die ihr eintretet, lasst alle Hoffnungen fahren."
Dass ich diese Worte über der Einstiegstür des Busses nicht finde, beruhigt mich wenig.
Um 7 Uhr morgens wieder in Buenos Aires gehen wir direkt ins Büro. Nach Hause fahren würde sich nicht lohnen. Es herrscht aber Generalstreik in der Stadt. Das Büro ist nur sperrlich besetzt.
So kriegt wenigstens niemand meinen Schlafmangel zu spüren.  

Sonntag, 11. November 2012

Buenos Fucking Aires

Diesen spaßigen Kühlschrankmagneten habe ich in La Boca gefunden. Es ist hier das, für Touristen jüngst hergerichtete, Hafenviertel.

Mit meiner Mitpraktikantin fahre ich am Sonntag nach La Boca. Es wird als einer der Must-Have-Seen Plätze der Stadt gehandelt. Ich bin gespannt. Erneut ist es wahnsinnig heiß. Am Ende des Tages werde ich Sonnenbrand haben.








Bereits in der Bahnhofstation "Constitución" beginnt es. Armut ist Buenos Aires ein Problem wie überall auf der Welt. In welchem Grad kann ich nicht beurteilen, aber für mich war es schon schlimm. bereits im Zug liefen bettelnde Kinder rum, teilweise ohne Schuhe. Im Bahnhof selbst, lebten teilweise ganze Familien auf Matratzen in Seiteneingängen.



Um sich was dazu zu verdienen, sortieren die Obdachlosen hier den Müll. Sie ziehen selbstgebaute Wagen durch die Straßen und verkaufen bei Depots dann die Pappe."Cartoneros" nennt man sie, glaube ich. Hier links im Bild. Ich habe hier öfters schon Obdachlose gesehen, aber eine ganze Familie?




Der Falklandkrieg ist hier unvergessen.
Auf dem Weg zum Caminito, der Touristenattraktion muss man durch viele Seitenstraßen gehen. Sind wir hier richtig?, frage ich mich. Straßenhunde liegen in der Sonne, Anwohner grillen in alten Ölfässern und die Gehwege könnten aus Deutschland 1945 sein.
 Und dann direkt daneben die Touristenmeile. Restaurant an Restaurant und jeder Laden bietet die gleichen Touristendinge an. Bilder, Karten, Anstecknadeln.
Es ist wirklich schön anzusehen, wie es kleine Seitenpassagen gibt und alle Häuser bunt anzusehen sind. Aber das alles nur 2 Straßen vom (noch gehobenen) Elend weg?



Einen zweiten Trip nach La Boca werde ich wohl nicht unternehmen. ... und wohl auch nicht empfehlen.

Ride the Tiger

Am letzten Samstag bin ich mit meiner Mitbewohnerin und den Mädels aus der Arbeit nach Tigre gefahren. Es ist eine kleine Stadt, ca. 30km von Buenos Aires weg, die am Mündungsgebiet des Rio Luján liegt. 30km und dennoch wie eine andere Welt.

Wir treffen uns am RetiroBahnhof in BsAs und fahren gemeinsam los. Es ist Wochenende und der Andrang ist groß. Auch das Wetter hat einen totalen Umschwung vollführt. Es ist wahnsinnig warm und es besteht die Gefahr auf einen Sonnenbrand. Für die 30km brauchen wir eine Stunde, man kann sich also vorstellen, wie schnell die Bahn war. Jedoch ist es erneut spottbillig. Transport, oder zumindest naher Transport, ist hier wahnsinnig günstig. Ich werd mal sehen, wie weit sich das ausnutzen lässt.

Die Fahrt geht dank Gespräche und einigen Musikmachenden Fahrgästen relativ schnell um und wir landen in Tigre.


Seit langem sehe ich wieder Wasser und ärgere mich auch nur wenig über die braune Farbe. Die Flüsse hier sind leider alle braun...da fehlt mir selbst das Rostocker Hafenwasser. Das war immerhin blau.
Tigre soll für 2 Sachen bekannt sein: Möbel und Früchte.
In der Tat werden auf einem Markt sehr viele Möbel angeboten, die alle aus dunklem Holz hergestellt sind. Ich stelle mir vor, wie manche Möbel in meiner Wohnung aussehen würden, bis ich merke....welche Wohnung egtl?
Ich habe ja in Deutschland gar keine.

Wir machen eine kleine Pause in einem Restaurant und ich bestell mir wieder Choripan. Yeah!


Dann schlenderten wir weiter durch die Stadt und entschieden uns eine Bootsfahrt zu machen. Es war der Wahnsinn.
Mit 2 anderen Herren waren wir die Einzigen auf dem Boot und sind knapp eine Stunde unterwegs gewesen. Das Mündungsdelta ist ein Landstück durchzogen von Flüssen. Es gibt also überall kleine Inseln, die auch für Touristen zu mieten sind. Alte Flussdampferwracks rosten in manchen der kleinen Buchten vor sich hin. Jetskis brausen an uns vorbei, andere Touristendampfer kommen uns entgegen.
Es war einfach kein Vergleich zum Stadtleben in Buenos Aires. Dabei ist es auch noch so einfach dort hinzukommen. Ich werd auf jeden Fall wieder hinfahren.

Der Rückweg war etwas schwieriger. Eine Bahn fiel aus wegen Personenschaden. Eine andere wegen technischen Problemen. Noch immer brannte die Sonne. Die Zahl der wartenden wuchs. Es ist schon was anderes als in Deutschland. Die Deutsche Bahn ist bei weitem nicht perfekt, aber wenn ich mit der iwo stecken bleibe, weiß ich, dass ich iwie dorthin komme, wo ich hin will.

 Bald kommt jedoch die Bahn und es heißt eine Stunde stehen, weil kein Platz mehr frei ist. In Argentinien werden Frauen, bzw. älteren Damen und Herren ohne Kompromisse immer vorgelassen. Das find ich sehr angenehm, heißt aber für mich, dass ich immer stehen muss. Manchmal wäre es auch schön, wenn ich sitzend zur Arbeit kommen könnte, aber ich bin ja noch jung. Ich halte das aus.

Auch wenn Tigre schön war, freue ich mich auf eine Dusche. Ein heißer Tiger-Tag.

Salat aus Fleisch und Käse

Am Montag, dem 29.10. erreichten die Ausläufer des Tropensturms Sandy Argentinien. Bereits Sonntag Nacht regnete es die ganze Zeit, durch die Nacht in den Tag. Für mich war das eigentlich nichts Neues. Ich hatte schon mal einen richtigen Schauer mitbekommen, nur hörte der auch auf. Sandy nicht.
Ich stand auf, ging zur Arbeit und sah schon die Pfützen und die Flüsse, die auf den Straßen entstanden waren. Durch den Regen wollten natürlich weitaus mehr Leute die Busse nutzen als sonst. Ich musste sehr lange darauf warten, dass ein Bus kam, der nicht total überfüllt war.
bei der Arbeit angekommen, wartete ich auf meine Chefin. Erst beim Checken der Nachrichten stieß ich auf das ganze Ausmaß des Unwetters. Reihenweise Stromausfälle, was auch die U-Bahn mit einbezog und ganze Straßen unter Wasser.

Bild aus der Tageszeitung La Nacion - mit der 59 fahre ich öfters zur Arbeit.
Und bei dem Wetter sollte es nach Rosario gehen. Das kann ja was werden mit den Straßen. Meine Chefin und ich begaben uns zum Auto unserer Firma. Es wird von den Mitarbeitern auch privat genutzt, wenn sie dafür aufkommen können. In dem Auto wurde ich daher auch abgeholt.
Meine Chefin meinte, dann zu mir: "Achja, wenn es komisch riecht nicht wundern. Meinen Kindern ist Milch ausgelaufen." Und es stimmte! Das Auto roch nach einer Mischung aus ranziger Milch und altem Käse. Toll und das auf 3 Stunden Fahrt.

Nach einiger Zeit konnte ich mich dann doch daran gewöhnen und schwatzte fröhlich mit meiner Chefin. Sie erzählte aus ihrem Privatleben, wir diskutierten über die Kulturunterschiede, die Sprache, zukünftige Projekte, meine geplante Reise nach Chile und über mein aktuelles Liebesleben...
Auf dem Weg sahen wir die Armenviertel vor der Stadt, überschwemmte Felder, Müllberge, aber auch Tankstellen mit Gratis W-Lan. Sowas gibt es in Deutschland nicht.

Rosario selbst, ist eine kleine Stadt. Die Gebäude sind nciht so hoch und generell kommt man überall schneller hin. Das Einzige, was ich über Rosario wusste, war, dass es ein Monument gibt. Ich denke mir okay, wir haben jetzt noch eine Stunde Zeit, ich geh mir das mal ansehen.















Es ist wahnsinnig groß. Ich hab es mega unterschätzt. Es ist ein riesiger Turm und ein Großer Platz mit Palast. Not bad, Rosario.

Ich komme grade rechtzeitig zurück, um mich kurz umzuziehen. Die Veranstaltung selbst, war eine Enttäuschung. Es kamen nicht so viele Besucher, wie erwartet. Meine Chefin war davon sichtlich genervt. Dann sagt noch zu mir, dass ich doch ein Foto machen solle, auf dem der Saal voll aussieht. Ja toll, zaubern kann ich nicht.

Wieder im Hotel stehle ich mich davon, um die Bilder der Veranstaltung bei Facebook hochzuladen. Wieder zurück, bestellt meine Chefin grad einen Salat nach Art des Hauses. Ich musste wirklich etwas lachen, als sie dann eine Platte aus Fleisch und Käse kriegt. So stellt man sich in Argentinien also einen Salat vor.

Auf dem Rückweg nach Buenos Aires, kamen wir erneut an den Armenvierteln vorbei. Man sieht richtig, wie die Luft immer grauer wird, je näher man in die Stadt kommt. Umweltschutz ist hier ein Fremdwort.
Wir fahren direkt zu einem Forum über aktuelle Politik weiter. Weil ich aber sowieso schon müde war, und ich die Wirkung eines Gläschen Weines unterschätze, bin ich sehr müde. Der Redner ist sympathisch, aber ich kann net wirklich folgen. Ich bin froh, als ich Zuhause im Bett liege.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Bist du vorbereitet?

Die folgende Woche hatte ich wirklich viel um die Ohren. Ich betreute die Ankunft unserer neuen Praktikantin, hatte vieles auf dem Schreibtisch und Events standen auch an.
Eine Buchpräsentation, eine Reise per Inlandsflug nach Córdoba von dort aus nach San Francisco. Manch einer hat schon gehört, dass ich dorthin unterwegs war.
Erstmal die Präsentation. Wir wurden dafür in einen Hotelsaal eingeladen. Alles Wahnsinnig schick. Auch die Leute von meinem Treffen für das Magazin sind dabei gewesen. Schon cool, dass ich da mal wen begrüßen konnte, den ich auch selbst kannte.
Anstatt meine Touristen-Cam habe ich die von einem Journalisten bekommen. Wow, das war ein Unterschied. Ich war richtig begeistert. Bisher war ich immer zu geizig mir sowas zuzulegen und ich dachte für meine Zwecke, würde meine Cam reichen. Aber nun male ich mir aus, wie das mein Leben nachträglich verändern wird.

Auf dem Rückweg im Taxi fahre ich mit meiner Chefin. Seit ich angefangen habe, duzen wir uns und ich bin sowieso total zufrieden mit ihr. Ich hab ja meinen Aufenthalt hier nur ihr zu verdanken. Sie selbst meinte, dass ich daran sehen kann, dass man sich halt nicht zufällig trifft. Auch lobte Sie meine Arbeit und sagte mir, dass die Kollegen sehr zufrieden mit mir sind. Ein gutes Gefühl.

Am nächsten Tag musste ich dann nach Córdoba und von dort aus mit dem Auto nach San Francisco.
Ich bin also morgens aufgestanden und wollte mir bei Starbucks nen Kaffee und nen Muffin oder sowas holen. Tja Pech..Starbucks hat zu. Alleine in der Nähe meiner Wohnung und meiner Arbeit gibt es insgesamt 36 Starbucks! Und dann ist Kaffee hier auch noch so teuer! Really Argentinien???

Nachdem ich mir was Ekliges am Kiosk geholt hab, gings los zum Flughafen. Eine Stunde fliegen, das ist ja nichts im Vergleich zu meinem Herkunftsflug.

Die Fahrt nach San Francisco hab ich verpennt, aber ich hab auch nichts verpasst. Einöde, die nicht anders aussieht als in Deutschland.

San Francisco war jedoch eine niedliche Stadt. Fast jeder fuhr mit Rollern durch die Gegend und die Gebäude waren allerhöchstens 3-stöckig, außer das auf dem Bild.

Ich konnte endlich mal wieder normal in den Himmel schauen. Nachmittags machten die Leute Siesta, also waren alle Geschäfte dicht und die Straßen fast leer. Unser Hotel ist jedoch sehr verranzt und es ist kein Vergleich zu Deutschland.

Abends fanden dann die Vorträge statt, wegen denen wir in die Stadt gekommen sind. Nachwuchspolitiker stellen ihre Ideen vor, wie man bspw ältere Menschen besser integriert. Teilweise schwer für mich zu verstehen, aber interessant.

Danach sind wir ins Rathaus um den Rednern Zeugnisse zu verleihen. Kurz bevor es losgeht, werde ich nach meinem Namen gefragt. Ich wunder mich noch wieso, als die Anmoderation losgeht. Plötzlich spricht der meinen Namen aus. Er dankt für meinen Besuch. Auch der Bürgermeister dankt mir herzlich und überreicht mir eine Art Preis sowie einen Matebecher mit seiner Gravur.




Wow, ich war echt davon begeistert. Nach der Verleihung haben wir im Büro des Bürgermeisters noch eine Kaffeerunde gemacht. Ich hatte so einen Hunger. Als dann Gebäck auf den Tisch kam, habe ich unauffällig versucht mir möglichst viel zu nehmen. Als ich grade in einen Windbeutel beiße, fragt mich der Bürgermeister, ob ich Deutschland vermisse. Sieht natürlich schön seriös aus mit vollem Mund und Creme am Mundwinkel. Ohje...




Am nächsten Tag haben wir eine kleine Stadttour gemacht. Es war wahnsinnig heiß, also hab ich mein Sakko nur am Arm hängen.


Es hieß dann plötzlich, dass wir zu einer Zeitung gehen. Okay, denk ich. Bis man mich was fragt: "Está preparado?" Ob ich vorbereitet bin? Häh? Ich soll auch was sagen?

Jap das sollte ich. In gebrochenem Spanisch versuche ich mit Hand und Fuß die politischen Unterschiede zwischen Argentinien und Deutschland zu erklären. Es klappt einigermaßen...und ich lande in der Zeitung.

Den Rückweg bin ich zwar wahnsinnig zufrieden, aber totmüde. Abends ging ich wieder in Buenos Aires auf eine Party. Am nächsten Tag hieß ich dann schön mit Hangover die neue Praktikantin willkommen. Guter erster Eindruck - Fail!