Ich habe lange nicht verstanden, was eigentlich los war. Es war als würde man in der Mitte eines Filmes anfangen, diesen zu schauen. Wer ist der Böse? Wer will was? Was ist eigentlich los? So ging es mir auch mit den jüngsten Ereignissen in Argentinien...
Ich versuche kurz zu erklären, was hier gerade los ist. Sollten meinen argentinischen Lesern - CW, Danü oder Jorge - Fehler auffallen, so korrigiert mich bitte.
Es begann im April. Der Fernsehjournalist Jorge Lanata veröffentlichte in seiner Sendung "Periodismo por todos" (Journalismus für alle) Insider-Informationen über illegale Machenschaften in der Politik. Dies wäre eigentlich nichts Neues, wenn es nicht das Präsidentenamt betreffen würde.
Nestor Kirchner, 2003 bis 2008 Präsident Argentiniens und verstorbener Ehemann der aktuellen Präsidentin Cristina Kirchner, habe sich ein weitreichendes Netz an illegalen Nebenverdiensten errichtet. Das ganze Programm: Geldwäsche, krumme Immobiliendeals, Waffenhandel und versteckte Konten.
Als wäre das nicht genug, hat nun eine Sekretärin die Vorwürfe bestätigt und sich als bekannt-geheime Geliebte des Ex-Präsidenten geäußert. Die zweite Witwe wurde sie genannt. Präsidentin Cristina Kirchner lässt selten eine Gelegenheit aus, ihren verstorbenen Gatten zu glorifizieren und spricht in ihren Reden oft von ihm, nennt ihn "El" "Er". Das ging schon so weit, dass sie bei ihrem Amtsantritt auf das traditionelle Muster der Wörter verzichtete. Stattdessen dankte sie "Ihm". Streng genommen war das ein Verfassungsbruch. Aus Trauer trägt sie seit dem Tod nur noch schwarz. Nun heißt es aber, sie habe von der Geliebten gewusst, ebenso von allen illegalen Geschäften die aus der Casa Rosada führten.
Die erste Reaktion auf die Ereignisse war die Demonstration vom 18. April 2013. "Kleptokratie" stand auf den Schildern. Man nannte die Präsidentin eine Lügnerin und Schlimmeres. Hinzu kam die Sorge über die jüngste Justizreform, die sich vor kurzem durchsetzte. Mit dem Ziel die Justiz zu demokratisieren, werden nun die Richter mehr oder minder vom Volk gewählt. Das heißt - grob ausgedrückt-, dass sie Wahlkampf betreiben müssen und ihre Unabhängigkeit einbüßen.
Gleichzeitig sieht sich das Land einer riesigen Inflation ausgesetzt. Der Schwarzmarkt für Dollar boomt. Medien sollen kontrolliert oder mit Gesetzen reguliert werden. Ein Jugendwahlrecht soll die Wiederwahl der Präsidentin sichern. Verfassungsänderungen werden befürchtet. Die Außenpolitik des Landes ist auf Konfrontationskurs und knüpft Beziehungen mit dem Iran.
Politisch gesehen, scheint in Argentinien wirklich alles möglich zu sein.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen