Montag, 24. Juni 2013

Reise nach Peru - Teil 1 - Limeños im grauen Dunst

Nach Chile, Bolivien und Uruguay musste ich erneut das Land verlassen, um dort länger bleiben zu können. Diese Ironie ist aber auch tückisch. Seitdem ich wusste, dass ich nach Argentinien gehen würde, wollte ich die Gelegenheit nutzen, um den Machu Picchu, das legendäre Incadorf, zu sehen.

Meine erste Station ist dafür Lima, Perus größte Metropole und Hauptstadt. Wochen zuvor habe ich mich im Internet und über die Plattform Couchsurfing über meine Möglichkeiten und Reiserouten informiert. Es war auch das erste Mal, dass ich jemanden bat, mich als Couchsurfer aufzunehmen. Ich stieß auf einen Mann mittlerern Alters, der mir nach meiner Anfrage fast augenblicklich zusagte. Sein Name war Alfredo. Mit Tipps und Ratschlägen stand er mir während der Vorbereitungszeit zur Verfügung, so dass ich beruhigt und alles durchdacht in Peru landete. Nach den Strapazen der Einreise, dem sehnsüchtigen Warten auf einen Einreisestempel, den manche so sehr jagen wie andere Pokemon.

Als ich aus dem Flughafen schritt, war ich schockiert. Es war grau, kalt, nass und trist. Der Nebel war so dick, dass man kaum 40 Meter weit schauen konnte und die Luft roch nach Fisch. Willkommen in Lima. Stephen King hat zweifelsohne Inspiration von hier gesammelt.
Einst war sie die mächtigste Stadt Südamerikas, wurde sogar Stadt der Könige genannt, doch sie verlor ihren Status als Buenos Aires zum spanischen Vizekönigreich erklärt worden war.

Vom Flughafen brachte mich ein Taxi zu Alfredos Haus. Der Taxifahrer erkannte sofort, dass ich Deutscher war. Warum fragte ich. Weil ich wie Hitler reden würde, antwortete er. Achso, na dann. Im 14. Stock eines Wohnblockes erwartete mich ein drahtiger, nervös schauender Peruaner. Als Alfredo die Tür hinter mir schloss, verriegelte er die Tür mit einem Balken. Das sei gegen die Einbrecher erklärte er mir. Sie würden auch gerne mal die Tür einfach eintreten anstatt das Schloss zu knacken. Ich stimmte zu und nickte, wobei ich mir den Kommentar verkniff, dass jeder Einbrecher erst am 2,50m hohen Sicherheitszaun mit Strom und zwei Sicherheitsleuten müsse, um nach diesen Strapazen noch eine Tür einzutreten. Wäre ja immerhin möglich nur selbst dann hätte Alfredo nichts, was sich lohnen würde, gestohlen zu werden. Alles scheint selbstgebaut. Eine Lampe aus alten Colaflaschen, ein Regal aus alten Ziegeln. Kein Fernseher, keine Bücher. Nichts zur Dekoration. Er habe alles geschenkt bekommen, erklärte er mir fröhlich. Seine Augen zwinkerten rastlos. Eindrucksvoll war das riesige Graffiti, was seine Wand schmückte. Nur drei Stunden habe das gedauert.



Entgegen einer Couch bat mir Alfredo sogar ein eigenes Zimmer mit Bett an. Ich war erstaunt und dankte. Am nächsten Morgen hoffte ich auf eine bessere Aussicht auf die Stadt. Leider blieb sie mir verborgen. Wieder grau, wieder neblig. Mein Reiseführer warnte mich vor, dass es in Lima in dieser Jahreszeit sehr depressiv sein könnte . Beim Frühstück erklärte mir Alfredo das Leben in der Großstadt. Er habe eine eingebaute Heizung in seinem Schrank. Hätte er die nicht, würde seine Wäsche innerhalb von zwei Tagen schimmeln. Die Feuchtigkeit sei schrecklich, der Sommer hingegen schön.

Als Alfredo die Wohnung verließ, um zu arbeiten, musste ich auch gehen und stürzte mich ins Stadtleben von Lima. Mein Host malte mir noch schnell eine provisorische Karte und ich stiefelte zum Meer. Ständig wurde ich von Autos angehupt, bis ich feststellte, dass die peruanischen Taxis jeden Fußgänger anhupen, damit er einsteigt.

Vom Meer zurückgekehrt, warte ich auf Franchesca. Ebenfalls aus Couchsurf bot sie mir an, mir die Stadt zu zeigen, wenn ich ihr im Gegenzug Buenos Aires zeigen würde, das sie bald besuchen sollte. Franchesca zeigte mir Miraflores, eines der schöneren Viertel von Peru. Und wie durch ein Wunder kam auch die Sonne heraus. Vor mir breitete sich der Pazifik aus. Ich musste an Frank Schätzing und seinen "Schwarm" denken. Das Unheil dieses Romans, in dem sich das Meer gegen die Herrschaft des Menschen auflehnt, begann in Peru.



Wir spazierten die Küste entlang und kamen an ein Shoppingcenter. Peru ist vom Preisverhältnis her nicht so günstig, wie ich es erwartet hatte, aber ich war erstaunt, wie günstig doch einzelne Produkte sind. Hühnchen beispielsweise ist sehr günstig und überall zu kaufen. So auch im Shoppingcenter. Franchesca lud mich ein, bestellte Hühnchenkeule für mich mit Anticucho und einer Kanne Chicha Morada.





Anticucho war früher eine Speise für die Sklaven und Arbeiter, erklärte sie mir. Heute isst es jeder. Es sind Stücke vom Rinderherzen am Spieß. Chicha Morada hingegen ist Saft aus Lila Mais, der überall getrunken wird und in seiner Beliebtheit einer Cola gleichkommt.

Am frühen Abend fuhren wir nach Barrancos, ein weiteres Viertel dicht am Meer. Bars und Restaurants säumten die Straßen die sich durch die steile Klippe zogen. Jugendliche skateten auf dem Platz, Paare schlenderten durch die Straßen und gruselige Vögel sitzen auf den Bäumen. Wir überqueren eine Brücke, die  Puente de los Suspiros, die Brücke der Seufzer und landen in einer Bar. Zum ersten Mal trinke ich Cusquena, das Stadtbier aus Cusco.


Die Sonne geht unter und im Taxi kehre ich zurück zu Alfredo.  


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