Dienstag, 1. Oktober 2013

Rumtreiberfragmente: Wohnungsgemeinschaft

Nach meinen ersten drei Monaten in Buenos Aires musste ich vom Szeneviertel Palermo in das weniger beschauliche San Cristobal umziehen. Die Gründe? Vor allem der Preis. Ich konnte es mir nicht leisten jeden Monat 500 Dollar zu bezahlen, zzgl. Kosten für die Putzfrau und Nachzahlungen für Strom. Meine damalige Vermieterin meinte, es sei die Klimaanlage, die so viel Strom fresse. Seltsam, denn da die schlaue Vermieterin die Fernbedienung versteckt hatte, wusste ich nicht einmal, wie diese eingeschaltet wird.

In San Cristobal zog ich ein großes Haus. Ich hatte ein großes Bett, eine riesige Dachterasse und genug Platz im Haus. Und auch mehr Mitbewohner. Vier Deutsche, drei Engländerinnen, zwei Österreicher, zwei Schweizer und eine Italienerin.

In drei Jahren Rostock hatte ich zwei Mitbewohner. In einem Jahr Argentinien hatte ich mit meiner ersten argentinischen Vermieterin und meiner ersten Mitbewohnerin insgesamt 15 Mitbewohner. Aus anderer Sicht waren das eine Anwältin, eine angehende plastische Chirurgin, ein Kulturkenner, ein Spitzenkoch, ein Bodybuilder, ein Dj, eine Reisende, eine Finanzbeamtin, eine Leseratte, ein heimlich Verliebter, ein Männermagnet, ein Sprachentalent und eine Quasselstrippe.

Immerhin haben sie es alle auf kurz oder lang mit mir ausgehalten.

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