Montag, 30. September 2013

Reise nach Peru - Teil 7 - Schluchten und Kondore

Es ist knapp vor 4 Uhr in der Früh als ich die Glocke läute. Niemand rührt sich. Vor mir ein altes Eisengitter, hinter mir die Nacht und die Kälte. Ich läute erneut. "Hoooola?", frage ich? Es rührt sich was. Eine verschlafene Peruanerin öffnet mir. Ich habe bereits in Puno reserviert. Ein seltsames Gespräch. Ich fragte mehrfach, ob es warmes Wasser gäbe, denn das gab es in Puno nicht. Man sagte mir "siempre", also immer.
Vor mir steht ein Hund, namens Luna. Sie fürchtet sich und knurrt leise. Das Mädchen sagt, dass Luna sonst jeden mögen würde. Augenblicklich fühlte ich mich wie ein Bote des Untergangs, das Urböse in Menschengestalt, das nur Tiere wahrnehmen würden und mitten in der Nacht auftaucht. Meine Stimme wurde zwei Oktaven tiefer. "Ein Zimmer bitte".

Arequipa schenkte mir Erleichterung. Es ist zentraler und schöner als Puno und es ist tagsüber nicht ganz so kalt. Ich verschlafe mein Frühstück, gebe meine Wäsche zum waschen ab und erkundige mich nach Touren zum Colca Cañon. 60 Nueva Sol kostet eine Tour. Hmm, denk ich. Das überlege ich mir nochmal. Ich ziehe in die Stadt. Arequipa wird auch die weiße Stadt genannt. Viele Häuser im Kolonialstil bestehen aus dem weißen Vulkangestein Sillar. Wie in fast allen Städten Lateinamerikas, ist der zentrale Platz der Plaza de Armas.




Auf dem Marktplatz spricht mich ein Touristenführer an. Er sieht, wie alle, bereits von weitem, dass ich Tourist bin. Er bietet mir eine Tour zum  Colca Cañon an. Er wolle 50 Nueva Sol und ich solle doch ins Büro kommen. Warum nicht, denke ich und folge. Es sah wirklich sehr zwielichtig aus, aber ich hörte mir das Angebot an. Frühstück, Abholung, Rückreise usw. Klingt nicht schlecht. Ich beginne zu verhandeln. Mein Hostel wolle dafür nur 45 Nueva Sol, lüge ich. Stutzend schauen mich die Reiseplaner an. Bevor sie überlegen können, sage ich "Für 40 mache ichs, sonst geh ich." und stehe auf. "Okay 40!", ruft er. Wahrscheinlich bezahle ich dann immer noch mehr als ich muss, aber egal.

Mitten in der Nacht stehe ich für die Abholung auf. Die Idee ist, dass wir im Morgengrauen in der Schlucht ankommen. Dafür müssen wir jedoch noch drei Stunden fahren. Zwei Argentinier und ich fahren zusammen in einem Kleinbus aus unserem Hostel los. Ich bin super eingepackt. Lange Unterhose, Handschuhe und Decke. Ich bin vorbereitet. Wir halten an einem Hostel. Ein älterer Mann steigt ein. Es ist fast niemand im Wagen. Perfekt. Schlafen ist angesagt. 
Wir halten erneut vor einem Hostel. Es tönt Musik heraus. Ich ahne böses. Zwei Jugendliche springen auf die Straße. Betrunken und blutjung. In den Gesichtern leuchtet Fingerfarbe. Ein Junge trägt eine Weste und einen Fes. Er sieht aus wie Abu, der Affe aus Aladdin. Inzwischen stehen an die sieben Jugendlichen auf der Straße. In Tanktop, T-Shirts und Jogginghose. Unser Führer, selbst mit dicker Jacke, sagt noch freundlich, dass es besser wäre, sich was warmes anzuziehen. "Ich brauche das nicht.", verkündet Abu. Er ist Australier. Seine Freunde ebenso. Sie nehmen Platz im Bus. Ein Junge namens Greg verlangt eine Massage. Einmal. Er nervt mich tierisch. Zweimal. Abu schnarcht. Ich hasse ihn. Dreimal. "Greg", denke ich, "halt doch einfach die Fresse". Viermal. "Greg", sagt eines der Mädchen, "halt doch die Fresse". Ich klatsche. "Wer klatscht da?", fragt Greg und fragt erneut nach einer Massage.  

Zum Glück schliefen die Australier alle schnell ein und fahren durch die Berge. Als wir ankommen, frieren sie. Willkommen im Colca Tal. Der zweittiefsten Schlucht der Welt
 


Wir kommen in einer kleinen Stadt an. Chivey heißt sie. Die Sonne steht am Himmel und dennoch sehe ich vergnügt mit an, wie die Australier frieren. Zwei kleine Kinder in Tracht stehen am Rand der Straße. Angeblich seien es die Kinder unseres Fahrers. Deswegen durften wir sie auch fotografieren. Ein Junge und ein Mädchen. Man erklärt uns, dass früher alle diese Trachten trugen und sich die Jungs öfter mal als Frau verkleidet haben, um auf diese einen Blick zu werfen. Damals wurden sie nämlich streng getrennt.












Unser Ziel ist das Kreuz des Kondors. In der Morgensonne nutzen diese die warme Luft, um ein über der Schlucht zu kreisen.
 


 Die Touristen tummeln sich, um ein paar Bilder von den Kondoren zu machen. Wie immer ist es überfüllt und voller Menschen verschiedenster Herkunft. Wir fahren weiter und kommen in der nächsten kleinen Stadt an. Dutzende Stände verkaufen Kleidung und Souveniers, sowie Erfrischungen. Ein Peruaner balanciert einen Falken auf seiner Schulter. In der Hand hält er die Leine zu einem Babyalpaca namens Monica. Süßes kleines Ding.



Das letzte Ziel des Ausfluges sind die heißen Quellen. Während sich die Australier dort wieder aufwärmen, springe ich auf einen der großen Felsen in der Mitte des Flusses und sonne mich. "Don`t stop believing" ist auch in Peru noch immer ein toller Song.



Wir fahren zurück nach Arequipa und passieren noch einmal die Bergebene. Es liegt Schnee. Ich freue mich riesig, da ich nun seit vielen Monaten keinen mehr gesehen habe. Man vermisst das, was man nicht hat.



Ich kehre ins Hostel zurück. Mein Bus nach Lima wird bald fahren, also packe ich meine Sachen. Ich frage nach meiner Wäsche und erstarre. Sie ist noch nicht fertig. Man versprach mir, dass sie es sei. Ich wartete. Wann ich denn los müsse, fragt der Hostelboy. Naja jetzt, sage ich. Oh, sagt er. Er sagt ich solle vorfahren und er würde zum Terminal kommen. Also steig ich in ein Taxi und düse los. Ich finde mein Terminal erst nicht. Die Uhr tickt. Ich finde es, will einchecken. Ich müsste vorher noch eine Abgabe zahlen, sagt der Mann am Schalter. Ich fluche so laut auf deutsch, dass sich Leute nach mir umdrehen. Nun muss ich wieder an das andere Ende der Halle spurten, 2 Nueva Sol in eine Kabine schleudern, um ein doofes Stück Papier zu kriegen, was der Mann am Schalter kurz begutachtet und zu meinem Entsetzen direkt in den Müll schmeißt. Ja Danke, sage ich.
Ich gehe durch den Gang und steige in den Bus. Noch immer keine Spur von meiner Wäsche. Ich werde nervös. Auf meinem Platz sitzt ein Mann. Ich habe Mühe, mich zu kontrollieren. Kann der sein Ticket nicht lesen? Ich gehe zur Reisebegleiterin und frage nach meiner Wäsche. Sie versteht nicht ganz, was ich möchte. Ihr an die Wäsche? Nein, nein. Ich gehe wieder zum Mann am Schalter. Da ist der Hostelboy ja! Endlich!
Er gibt mir meine Wäsche, wir schlagen ein, ich steige ein, ich schlafe ein.


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