"Wo sind wir denn?", fragt er.
"Ich weiß nicht, ich muss mal schauen."
"Wieso weißt du das nicht?"
"Weil es hier vier Terminals gibt."
"Ich dachte, du hättest die Reise geplant."
"Ja, aber ich war trotzdem noch nie hier!"
So ging das dann noch 15 Minuten.
Wir finden uns zurecht, fahren U-Bahn. Deutlicher schicker und entspannter als in Buenos Aires. Landen am Plaza de Armas, einem der Hauptplätze der Stadt. Unser Hostel wird als Geheimtipp gehandelt. Und wirklich...es bietet eine tolle Sicht auf den Platz.
Wir erkunden die Stadt. Anders als Buenos Aires hat Santiago kein Blocksystem in den Straßen. Buenos Aires ist wie ein Schachbrett aufgebaut. Ähnlich wie New York. Santiago nicht. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben. Clowns springen durch die Gegend, eine Band spielt, Menschen versammeln sich, es wird getanzt. "Haben die alle keine Arbeit?", fragt CW. Ich schweige.
Es schmeckt nach nichts, Konsistenz von Müsli. CW will sich später noch einen kaufen, sieht aber, wie ein Obdachloser sich selbst einen Becher mixt und stellt dann erschreckend fest, dass Mote con Huesillos in seiner Optik von Erbrochenem nicht zu unterscheiden ist.
Nun spuckt er aus, sobald wir einen Stand passieren.
Er findet jedoch Gefallen an Completos - Hotdogs. In Argentinien nennt man sie Panchos. Stets zu später Stunde treibt ihn noch der Hunger um und er holt sich zwei Completos oder Süßigkeiten. Für einen Completo braucht er keine 60 Sekunden. Japsend, mehr schluckend als kauend, verschwinden sie in Windeseile in seinem Innern. Zu seiner Verteidigung: CW ist Familienvater. Da hat man nicht viel Zeit für sich selbst.
Auf dem Weg durch die Stadt landen wir plötzlich auf einem Open Air. Es geht um ein politisches Ziel. Ein Bauprojekt in Patagonien - auch in Chile gibt es Patagonien - soll verhindert werden. Erneut begeistert mich der politische Wille des Kontinents. Lateinamerika hat so viele Militärputsche erlebt, dass einem schwindlig werden könnte. Dementsprechend groß ist der Wille der Jugend und des Volkes sich zu beteiligen. Beneidenswert, wenn man sich Wahlbeteiligungen in Deutschland anschaut.
Abends wieder im Hostel streife ich durch die Räume. Seit unserer Ankunft, sitzt ein Amerikaner ständig im Gemeinschaftsraum vor Facebook. Morgens wie Abends in der gleichen Position. CW spottet. Mir ist es egal.
Auf dem Balkon treffe ich auf ein kleines Kätzchen und schließe Freundschaft. Es ist gar nicht so schlecht hier.

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