Freitag, 28. Dezember 2012

Marty in Chile. Kapitel 3 - Von Bergen und Kraken

Im Reiseführer fand ich den Tipp, doch unbedingt mit der Seilbahn über Santiago zu fahren. Dafür müssen wir auf den Hügel San Cristobal. Wir lassen uns bei einer Affenhitze durch die Stadt treiben, bis wir den Hügel erreichen. Ich erfahre, dass die Seilbahn kaputt ist. Natürlich sagt man nicht, dass sie kaputt ist. Man sagt, sie werde repariert.

Die Aussicht ist beeindruckend. Wir sind keine 1000 Meter über der Stadt und können doch alles überblicken. Am Horizont verschwimmen die umliegenden Bergipfel, der ein oder andere ist sogar schneebedeckt.


Auf dem Berg steht die 19meter große Statue der Heiligen Maria. Alle sind im Weihnachtstrubel. Es steht ein Krippenspiel bereit, Vorbereitungen für ein Konzert werden getroffen. Wir pilgern zu der Statue und stehen am höchsten Punkt. Ich höre auf deutscher Sprache das Wort "geschmolzen" und sehe, wie eine Dame mit einem Chilenen Schokolade isst. Man kommt ins Gespräch: Warum sind Sie hier? Was machen Sie hier? CW beteuert weiterhin ein Argentinier, bzw. ein Buenos Airesianer zu sein. Porteños (von Puerto ("Hafen") abgeleitet), nennt man diese in Argentinien. Es wird ihm nicht geglaubt. Er versteht nicht, warum.  

Man diskutiert über die chilenische, die argentinsiche und die deutsche Kultur. Eine sehr nette Dame. Sie empfiehlt uns ein Restaurant, in das wir später gehen werden.

Zuvor jedoch der Abstieg. CW will nicht den gleichen Pfad wieder zurücknehmen, den wir heraufkamen. Also bedienen wir uns eines Schleichweges. Die Sonne knallt auf uns herab. Ich verbrenne mir wahnsinnig die Schultern. CW die Nase, die Stirn...das Gesicht. Er ist nun eindeutig als Tourist zu erkennen. Vielleicht ist sein Verstand auch überhitzt. Er ruft mich ständig mit dem Namen "Klaus".



Nachdem er wieder 2 completos (Hotdogs) als Stärkung brauchte, kauft er sich zudem noch einen Sonnenhut. Da er kein Geld hat, muss ich ihn zahlen. Sonnenbrand, Touristenhut, starker deutscher Akzent, mangelndes Spanisch und dennoch: CW ist Porteño. Klar!

Abends gehen wir in das Restaurant und es ist wirklich interessant. Ein ehemaliger, bzw. noch intakter und lediglich umgebauter Frisörsalon, als Restaurant. Ich versteh nicht ganz, was das für Tiere auf der Karte sind. Kenne ich doch den maritimen Wortschatz noch nicht. Ein Kellner erklärt mir, was ein Pulpo, ein Kraken ist.

"Un Calamar", sagt er und formt mit den Händen eine Kugel. Dann schaute er mich an, freut sich riesig und sagt "un calamar grande"...Leicht verwirrt bestelle ich Fisch. CW den Kraken.
Ich nerve ihn mit der ständigen Wiederholung des Filmzitates: "Unleash the Kraken!"

Ich trinke mein erstes chilenisches Bier. Es ist okay. Gibts auch Wein?

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