Mittwoch, 13. März 2013

Argentinien ist Papst

Ich bin nicht religiös. Ich respektiere die Kraft und die Hoffnung, die einem der Glauben schenken kann und kritisiere den Fanatismus, den er ebenso hervorrufen kann. Ich bin nicht mal getauft. Agnostiker? Atheist? Ich ordne mich nicht ein. Dennoch verfolge ich bei der Arbeit den Liveticker der Papstwahl. Irgendwie habe ich das Gefühl, es wissen zu müssen, wer der neue Papst wird, auch wenn es meine kleine Welt wohl eher weniger beeinflussen wird. Ist es in diesem Falle doch etwa politisches Gespür, was ich mir in meinem Studium eigentlich hätte aneignen sollen? Oder doch etwas anderes?

Dann geht der Vorhang auf. Es werden die berühmten Worte verlesen. Und es steht fest.


Der neue Papst ist der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio!
Der erste Papst aus Lateinamerika. Und das obwohl die Süd- und Mittelamerikaner zusammen mit Nordamerika fast 50% der katholischen Weltbevölkerung ausmachen.

Ich verkünde die Nachricht im Büro. Man ist mehr überrascht, als stolz. Man ist entzückt. Nationalgefühl steigt auf. Stellt sich sogar heraus, dass mein Arbeitgeber in der Vergangenheit sogar mit ihm zusammen gearbeitet hat.

Auch in den Nachrichten kommt es zu kleinen Fehlern. Man ist halt sehr aufgeregt (Wortwitz).


Die Reaktionen auf Facebook folgen auf dem Fuße.

Von Deutschen, die hier Leben:
Wo ich hingehe, ist Papst. 
Erst Königin, dann Papst...Mal schauen, was als nächstes kommt....vielleicht ja Weltmeister 
 Die Argentiniern, die sich freuen:
Wir haben eine Argentinier als Papst!
 Welch große Überraschung. Ich freue mich!
CW, der irgendwo dazwischen ist (war ja klar CW!) :

Ätsch, ich bin jetzt Papst. 

Die Argentinier, die sich nicht freuen:
Schön, wir haben einen Nazi-Papst, der uns wieder in die Diktatur führt. Ich muss kotzen.
Ich habe Angst, dass der die Homo-Ehe wieder rückgängig machen will. 
Wer glaubt, dass der "von Gott Gesandte" im Vatikan wohnt, ist ein armer Idiot.  


Bergoglios Rolle während der argentinischen Militärdiktatur ist umstritten. Man sagt, er habe von den Entführungen gewusst, aber nichts unternommen. Er äußerte sich in der Tat sehr abwertend über die gleichgeschlechtliche Ehe, was mitunter auch nur ekelhaft nennen kann.
Man erwartet vom Papst nun mal eine weiße Weste, die viele nicht für existent halten. Es erinnert mich etwas an die Situation mit dem deutschen Bundespräsidenten. Nur anders.

Ich selbst konnte mir noch kein richtiges Bild machen, aber ich bin gespannt, was das nun für das Land bedeutet. Die  Präsidentin wird nicht gerade begeistert sein. Die Meinungen werden stark auseinander gehen.

Inzwischen hat die Präsidentin ein unterkühltes Glückwunschschreiben veröffentlicht. Er wiederum dankt dafür in Twitter. Scheint wie ein vorsichtiges Abschnüffeln.

Nach der Arbeit werde ich direkt mal schauen, wie die Reaktionen in der Stadt sind.

 





Vor der Kathedrale feiert man. "Wir sind Papst!". Ein Grund stolz zu sein. Zuhause spucken viele aus. Ein "Faschisten" oder einen "Nazi" als Papst, fluchen sie.

Mal abwarten, was da noch kommt.

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