Ich arbeite mit Red zusammen. Sie ist schon reichlich rumgekommen auf dieser Welt. So sehr, dass sie sich gar nicht mehr als Deutsche betrachtet. Eher eine Mischung aus Holländerin und Amerikanerin, die in Deutschland geboren ist, aber zurzeit in Argentinien lebt. Ganz einfach!
Wir nerven uns durch Alltägliches.
Wenn ich Musik höre (mit Kopfhörer), stört sie das.
Wenn sie niest, erschrecke ich mich fast zu Tode.
Wenn ich tippe, ist ihr das zu laut.
Wenn sie mit dem Gesicht zu mir sitzt, fühle ich mich beobachtet.
Die Sucht nach Kaffee haben wir immerhin gemeinsam.
Ich treffe nicht das erste Mal auf jemanden, der zwar in Deutschland geboren ist, aber sich nicht deutsch fühlt. Man denke nur an CW, den Porteño.
So sehr ich CW auch mag - ja! innerlich tue ich das wirklich -, hat Red doch deutlich mehr Gründe sich nicht mehr deutsch zu fühlen. So muss sie sich sogar schon konzentrieren, um Deutsch zu sprechen, schreiben oder zu denken. Gut, dass sie einen Germanisten neben sich hat. Welch ein Glück für sie! Doch weiß sie davon?
"Marten, wie heißt dieses Wort auf Deutsch?"
"Mal sehen! Puh, das ist schwierig!"
"Ach komm! Du musst das doch wissen. Du hast ja Germanismus studiert."
"Ich hab was!?!"
"Na...Germa....Ger.....Deutsch halt!"
"..."
Es sei nochmal betont: Ich habe Germanistik studiert.
Ich bin es jedoch bereits gewohnt, als Teil einer missverstandenen und unterschätzten Berufsgruppe zu gelten.
Zu Reds Verteidung sei noch mal gesagt. Sie ist wirklich rumgekommen und ihr English ist perfekt. So frage ich sie regelmäßig, was denn das heiße und wie man das und das sagen könne und bringe sie mit meinen Fehlern zum Schmunzeln.
Und im Gegensatz zu mir, hat sie darüber auch noch nichts gebloggt oder gepostet.
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