Dienstag, 19. März 2013

Es papstet fleißig weiter....


Um 8 Uhr morgens wirkte die Stadt wie ein Betrunkener, der aus dem Club taumelt. Augenringe, ausgemergelt und außer Atem. Zurecht, hat sie doch die ganze Nacht getanzt.


Die Euphorie um die Papstwahl hält an. Immer leiser werden die Stimmen, die anfangs gegen diese Wahl waren. In meinem Umfeld postet niemand mehr deutlich negatives. Die Stimmen in der Presse über die Militärdikatur werden leiser. Es obsiegt die Sympathie. Bescheidenheit, Humor und Offenheit scheinen letztendlich Misstrauen und Missgunst zu besiegen, und wenn nicht, zumindest zu verdrängen.

Foto: DyN
Franziskus erobert die Herzen. Seine erste Messe aus Europa wurde in Argentinien, bzw. in Buenos Aires live übertragen. Sie fing hier also um 5 Uhr in der Früh an. Und wurde bereits gestern Abend mit dem Aufbau und feiern einer Bühne vorbereitet. Mehr als 4000 Menschen versammelten sich heute morgen vor der Catedral Metropolitana de Buenos Aires, um zu feiern, zu singen, vor allem aber, um Stolz zu zeigen.




"Gott ist aus Argentinien, und der Papst auch." steht auf die blauen Streifen der argentinischen Flagge geschrieben, die ein Passant vor der Masse schwingt. Es erstaunt, wie die Argentinier den Profit wittern. Imbissstände, Getränkeverkäufer und fliegende Händler die Flaggen und Bilder zum Hochhalten verkaufen. Menschen tragen die Flagge des Vatikans als Umhänge. Die Stadt wurde bereits stolz mit Bildern beklebt, die "Viva el papa!" rufen oder die ausdrücken, dass der Papst nicht nur Argentinier sei, sondern auch Peronist, der herrschenden politischen Bewegung im Land.

Dort beginnt die Politisierung. Man muss wissen, dass die journalistische Welt in Argentinien sehr monochrom ist. Es gibt entweder Pro-Präsidentin oder Contra-Präsidentin. Nichts dazwischen und wenn doch, sind solche Stimmen seltener als das 151° Pokémon.


La tapa de ABC fustigó a Cristina. | Foto: ABC
Nun nutzen Regierung und Antiregierungsfront beide die Papstwahl zu ihren Nutzen. Der neue beliebte Papst ist nämlich kein Freund von Cristina. In der Vergangenheit gerieten sie oft aneinander. Deshalb nutzt die regierungskritische Presse die Meinung des Papstes um indirekt oder auch offen die Frau Kirchner zu kritisieren, während die regierungstreue Presse als einzige noch immer nach der Vergangenheit des Papstes fragt und seine Beliebtheit kleinredet oder ignoriert. Ich selbst musste viel dazu recherchieren und lesen, um mir ein Bild zu machen. Das Geschehen beeinflusst ja schließlich die Politik des Landes.
Eine Stiftung aus Buenos Aires hat da sonst auch einen ganz netten Bericht geschrieben.


Foto: DyN

Foto: DyN
Die Masse stört das nicht. Sie feiert. Bis der Platz vor der Kathedrale aussieht, wie nach einem Festival. Pfandflaschensammler könnten reich werden, gäbe es in Argentinien ein entsprechendes Pfandsystem. Wäre der Platz nicht sowieso schon asphaltiert, würde dort nie wieder ein Grashalm wachsen. Selbst der Obelisk, Wahrzeichen der Stadt, wurde eingefärbt für den Papst.
Jeder soll sehen, wie stolz man ist.



Ich selbst freue mich zu sehen, wie glücklich es Menschen macht, aber bin immer noch skeptisch. Nein, das ist zu stark ausgedrückt. Eher vertrete ich noch immer eine gewisse Erwartungshaltung. Ich warte ab. Es ist zu früh, um zu bilanzieren. Auch wenn der erste Eindruck schon mal stimmen mag.

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