Montag, 1. Juli 2013

Reise nach Peru - Teil 2 - Pisco Sour mit der Kaiserin

Ich werde von Alfredos Yoga Übungen geweckt. Er arbeitet als Lehrer nach seinem eigentlichen Beruf. Da ich das Gefühl hatte, ihn bereits genug gestört zu haben, ließ ich ihn stoßatmend zurück.
Peruaner küssen sich nicht zur Begrüßung. Man gibt sich höflich die Hand und nennt einander Amigo, wenn man jemanden ansprechen will. In Chile hörte ich immer Maestro .... in Argentinien ist es einfach nur Che oder manchmal auch der Che Boludo, wobei Boludo soetwas wie Trottel heißt, aber ein fester Teil des argentinischen Satzbaus geworden ist. Neulich wurde ich als Hijo de Puta bezeichnet und das nur, weil ich in Peru war und mich deshalb glücklich schätzen könnte (was ich auch tue). Es hängt also stets ganz von der Betonung ab. In diesem Sinne bin ich einfach nur als verdammter Glückspilz bezeichnet worden.

Afredo glänzt als Couchsurfhost. Erneut macht er mir Frühstück und kritzelt mir eine Liste von Nationalgerichten auf einen Zettel. Danach erzählt er mir von Peru. Früher seien die Menschen in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Lima geströmt. Vor allem das Fernsehen habe den Peruanern ein besseres Leben versprochen. Schon seltsam, dass niemand im Fernsehen aussieht, wie die Peruaner, die ich auf der Straße treffe. Er erzählt von Perus Wirtschaft und das diese steige, während die von Argentinien...naja...eben nicht so gut ist. Er sei vor einigen Monaten nach Buenos Aires gekommen und das nur mit 800 US-Dollar, die man in Peru problemlos bekommt. Nachdem er diese auf dem Schwarzmarkt getauscht hatte, lebte er einen Monat lang wie ein König. So gut sei der inoffizielle Kurs des Blue Dollar gewesen. Jeden Tag Fleisch, Wein und Spiel und Spaß, während er in einem Loft zur Miete unterkam. Argentinien hat Vorteile...wenn man denn Euro oder Dollar hat.

Da Alfredo arbeiten muss, holt mich erneut Franchesca ab. Auf Alfredos erste Empfehlung hin fahren wir ins Zentrum. Seine zweite Empfehlung war ein erotisches Museum.
Eine U-Bahn gibt es in Lima nicht. Man benutzt entweder den Metrobus, der noch in etwa einer U-Bahn-Linie ähnelt, Taxis und die Minibusse.
Wir stehen an der Straße und versuchen durch das Verkehrsgetöse und das laute Hupen der Taxis zu sprechen. Limas Taxifahrer hassen mich schon nach dem zweiten Tag abgrundtief, da ich ihnen stets Hoffnung mache, ein Fahrgast sein zu können. Wie ich das mache? Naja, sie hupen, ich schaue, sie denken ich brauche eines und halten an, ich schüttel den Kopf, sie schütteln den Kopf und fahren weiter, ich bleibe stehen.


Ein Minibus kommt angebraust. Noch während der Fahrt springt ein junger Mann hinaus und ruft in routinierter Melodie die Endhaltestelle. Mein Reiseführer sagt: "Fragen Sie einfach den Fahrer nach der Richtung und steigen Sie ein." Nach einem halben Jahr in Argentinien und etlichen Sprachkursen in der Universität ist es mir selbst mir unmöglich den jungen Mann zu verstehen. Wie soll das ein Tourist mit rudimentären Sprachkenntnissen dann schaffen. Selbst Franchesca muss nochmal nachfragen, springt dann jedoch rein und winkt mir zu. Ich passe auf, mir beim Einsteigen nicht den Kopf zu stoßen. Ich bin der einzige Nicht-Peruaner im Bus und viel zu groß. Würde man mir den Kopf guillotieren, würde ich perfekt hinein passen. Ich zähle 10 Plätze und 17 Peruaner. Typisch.

Wir kommen schließlich im Zentrum an. Die Stadtarchitektur Lateinamerikas ist schön und einfach. Es gibt stets einen großen Platz. Plaza de Armas, Plaza San Martin oder Plaza de Mayo. Dort stehen die Kathedrale und der Regierungssitz einander gegenüber, um einander zu beobachten. Naja zumindest mehr oder weniger gegenüber, wenn man Buenos Aires betrachtet.

Wir stehen vor einer großen Demonstration. Mehr Transparenz und Demokratie in der Regierung werden gefordert. Waren Sie schon mal in Argentinien?

Wir landen in einem Restaurant. Ich erinnere mich an die Liste von Alfredo und fummel sie heraus. Ich bestelle als erstes Papas a la huancaina, Kartoffelscheiben in einer Erdnuss-Käse-soße. Gar nicht übel. Dann noch Lomo Saltado. Lomo ist Fleisch aus der Schulterregion des Rindes und Saltado bedeutet springend. Auf meinem Teller springt nichts. Serviert mit Reis und Gemüsescheiben wird Lomo Saltado schnell mein Peruanischer Favorit. Schon allein weil es so günstig ist und nicht aus Hühnchen besteht. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Hühnchen, aber davon allein kann ja keiner Leben.

Nach dem Mittagessen schlendern wir zu einem Park mit vielen verschiedenen Brunnen. Franchesca sei schon oft hier gewesen. Eine Freundin ruft sie an und besucht uns. Ebenfalls Peruanerin doch mit dem seltsamen Namen Sissy. "Oh! Die Kaiserin", stoße ich heraus. Ja, seufzte sie. Genau die.








Obwohl Franchesca schon so oft dort war, wusste sie nicht um den Tunnel, der das Arenal mit dem anderen Teil verbindet. Ein schöner Platz.

Die Sonne geht unter und wir düsen mit dem Citybus zurück ins Zentrum. In einem ehemaligen Hotel stoße ich dann auf die Große Liebe Limas: den Pisco Sour. Noch immer im Streit mit Chile, wer den Pisco Sour denn erfunden hätte - ähnliches gilt wohl für Argentinien in Bezug auf Mate und Tango mit Uruguay - beanspruchen die Peruaner den Drink für sich. Haben Sie doch extra den Internationalen Pisco Sour Tag an jedem ersten Samstag im Februar eingeführt. Eine Lösung des Streits ist jedoch nicht in Sicht.

Pisco Sour schmeckt und er wirkt gut. Wir bestellen Runde um Runde. Mir gegenüber sitzt ein Mädchen, was ständig zu uns rüber schaut. Anfänglich dachte ich, dass sie an mir Interesse hätte, aber es stellte sich heraus, dass sie trotz eines männlichen Begleiters, der zum Rauchen auf die Toilette verschwand, Interesse an Franchesca hegte. Es war ihr sehr unangenehm. Ritterlich versuchte ich höflich zu sagen, dass Franchesca meine Freundin sei, um den Spuck zu beenden. Das Mädchen bemerkte meinen Akzent und begann auf Englisch zu fluchen, stand auf und kam herüber. Ich sagte ihr, dass sie sich beruhigen sollte. Wäre nicht in dem Moment ihr Freund mitsamt dem Kellner herübergekommen, hätte sie mir sicher eine geklatscht. Der Kellner warf beide heraus. Sie für das Stiften von Unruhe, ihn für das Rauchen von Marihuana in der Restauranttoilette. Das war knapp. Beinahe wäre ich von einer lesbischen oder bi-neugierigen Peruanerin verdroschen worden.


Leicht betrunken schaue ich auf die Uhr. Mein Bus nach Ayacucho fährt in 20 Minuten los. Ohje. Franchesca begleitet mich im Taxi zum Terminal...zu spät. Ich habe den Bus verpasst.

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