Ich erinnere mich an die Reaktion, als ich meiner Mutter mein Zimmer zeigte. Meine Mutter sagte nichts, aber am Zucken ihrer Mundwinkel erkannte ich, wie ihr inneres Ich die Worte "Unordnung, Chaos und Schweinerei" in das Echo ihres Verstandes schrie. Sie schluckte es jedoch herunter und merkte nur den (miefigen) Geruch an.
In den letzten 31 Tagen habe ich zehn Nächte zu Hause geschlafen. Meine Reise nach Peru und die Arbeit ließen mir keine Wahl. Ich habe es nicht geschafft, zu kochen oder einzukaufen...natürlich dann auch nicht zu putzen. In der Ablage lag noch immer das Geschirr meines ehemaligen Mitbewohners, der mich alleine zurückließ in diesem Haus. Vielleicht bin ich deswegen nicht so oft Heim gewesen.
In Deutschland gilt:
Der Vermieter ist ohne Zustimmung des Mieter nicht dazu berechtigt das Mietobjekt zu betreten. Das bedeutet, dass der Vermieter vor jeder Besichtigung die Zustimmung des Mieters einholen muss.
Das bedeutet:
Eine Besichtigung ohne vorherige mündliche oder schriftliche Ankündigung des Termins ist in aller Regel unzumutbar, es sei denn bei Gefahr in Verzug (Schadensabwehr).
In meinem Fall gilt:
Meine Vermieterin darf kommen und gehen, wie es ihr gefällt. Ankündigung? Nein, danke.
So auch, als ich vor kurzem Heim kam. Es brannte das Licht. Es hing ein Zettel an der Tür mit dem Vermerk, dass ich das Bad den nächsten Tag nicht nutzen dürfte und einer Notiz.
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| Marten: Bitte lass uns die Sauberkeit und Ordnung halten. Danke. |
Trotz "Bitte" und "Danke" ist der verärgerte Unterton unübersehbar. Es war seltsam. Ich fühlte mich kurzzeitig unwillkommen. Meine eigentlich sehr nette Vermieterin hat sich seit Wochen nicht mehr blicken lassen. Eines der ersten Lebenszeichen ihrerseits: Diese Notiz. Wenigstens mein eigenes Zimmer darf dreckig sein. Ich habe mich entschieden, den Spruch an der Wand zu lassen. Als Mahnmal und als Sühne. Vor allem aber als Erinnerung. Es erinnert mich, dass diese Frau, der ich monatlich Geld zahle das Haus betreten kann. Ob schleichend, wenn ich bei der Arbeit bin oder ganz offen, wenn ich gerade frühstücke. Bescheid sagen? Ach, Nein. Das brauch sie nicht. Sie kommt, wann immer sie will.

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