Freitag, 26. April 2013

Rumtreiberfragmente: Kuss-Fail

Es ist Freitagnachmittag. Kurzfristig kommt noch eine Veranstaltung rein. "Danü gehst du?", frage ich. "Och nöö. Ja, muss ich ja.", schweizert er zurück. "Na okay, ich komm dann auch mit."
Die Gästeliste klingt interessant. Der Chef der bolivanischen Opposition. Der Präsident vom Zentrum für Frieden und Demokratie.
Also schnell das Sakko übergeworfen und los. Danü geht wie immer. Halb-Hipster und halb-Mensch.
Wir kommen an. Ein paar Argentinier sind bereits anwesend. Ich habe vergessen, wie die Frau überhaupt aussieht, die uns eingeladen hat. Egal, denke ich, als mir auffällt, dass ich auch sonst niemanden kenne. Ich fokussiere einen Punkt und nicke. Wer sich angesprochen fühlt, nickt zurück, wer nicht, denkt ich hätte jemand anderen gegrüßt. Auf der Suche nach einem Platz, halte ich mich zurück, mich nicht sofort auf den Kaffee zu stürzen. Es klappt.
Ich blicke mit Danü in die Runde. "Worum geht es eigentlich?", fragt er. Ich überlege länger als ich müsste. "Keine Ahnung." erwidere ich. "Ich glaub Kuba."

Ein Herr im Anzug erblickt uns. Seine Miene hellt sich auf. Wer ist das?, frage ich mich selbst. Vielleicht jemand, der mich schon kennt. Er kommt lächelnd auf mich zu. Ich lächle zurück. "Hola!", ruft er. "Hola! Wie gehts?", erwidere ich fröhlich. Ich hole zum Wangenkuss aus. In Argentinien normal. Der Herr ahnt was kommt. Zieht im letzten Moment seinen Kopf beiseite. Ich bin verwirrt. Kein Kuss? Nein. Nun eher eine gezwungene Umarmung. Danü gibt er die Hand. Keine Missverständnisse. Der Herr im Anzug ist verstört. Ich bin peinlich-verwirrt. Danü ist fröhlich.
Nach Smalltalk entfernt sich der Herr wieder. Es war der Präsident vom Zentrum für Frieden und Demokratie.
"Er wollte dich einfach nicht küssen.", schweizerte Danü. "Ich weiß", murmele ich. "Ist das peinlich."
Erstmal nen Kaffee.

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