Meine letzte Reise innerhalb Argentiniens führte mich nach Mar del Plata. Küstenstadt, Urlaubsort und Seelöwenland. Los Lobitos, sagen sie auf Spanisch. Klingt süßer als sie sind.
Eigentlich fahre ich für eine Konferenz dorthin, doch durch geschickte Verhandlungen und das Mitleid mit Langzeitpraktikanten - wohl eher nur durch das Mitleid - kann ich einen Extratag herausschlagen. Also rein in den Bus und los.

Früh morgens komme ich an, checke ein und schlendere zum Meer. Das Meer entspannt mich. Obwohl ich den Schwarm gelesen habe, beruhigt mich die Nähe des Wassers. Ich wandere zum Hafen. Die Fischerindustrie scheint hier noch sehr stark zu sein. Alte Bote im Wasser. Ein seichtes Hafenbecken. Was ist das? Eine Seelöwenstatue. Cool, gleich mal ein Foto machen. Ich falle fast hin, als ich merke, dass es ein echter Seelöwe ist. Er sonnt sich entspannt im Hafen. Nicht viel weiter weg ist noch einer. Ich wusste ja, dass es die hier gibt,aber so nah? Ich könnte den praktisch anfassen. Langsam nähere ich mich für ein Foto. Er bemerkt mich, schaut mich an und brüllt als ich einen Schritt auf ihn zu mache. Ich weiß, dass diese Tiere langsam sind, aber dennoch traue ich mich nach diesem Brüllen nicht nochmal so Nahe heran.

Ein alter Mann kommt, um die Seelöwen wieder ins Meer zu treiben. Dafür schlägt er mit einer Metallstange vor ihnen auf den Boden. Der Lärm kommt wohl einem Wecker gleich, der mich nach einer Nacht voller Umtrunk aus dem Schlaf reißt. Ich kann die grummelige Reaktion verstehen. Ach, Seelöwe. Mein Seelenbruder. Ich fühl mich dir verbunden. Der Seelöwe brüllt den alten Mann an. Ich zucke zusammen. Okay, vielleicht fühle ich mich doch nicht so verbunden. Ich schlendere weiter am Hafen lang und lande am Platz, wo sich alle Seelöwen sonnen. In Gruppen baden sie zusammen oder liegen einfach nur da. Einige Momente lang schaue ich zu, bevor ich wieder umkehre.

Ich gehe zum Strand. Es trohnt vor dem Meer die kleine Skyline Mar del Platas. Alles in seichtes Grau getüncht. Ich klettere auf den Steg und stehe vor dem Atlantik, umringt von Wasser.



Hinter mir ertönt Bellen. Eine Gruppe Hunde kommt heran gelaufen. Bellen sie mich an? Stehe ich auf ihrem Revier? Nein. Sie bellen tatsächlich die Wellen an. Eine Welle kommt. Sie bellen. Die Welle bricht am Land. Die Hunde triumphieren. Doch da kommt schon die nächste.
Das Wasser macht mich nervös. Es fehlen keine 5 Wochen bis ich wieder in Deutschland bin. Und ich hatte mir noch keine klaren Vorstellungen gemacht. Es wird Zeit für die Konferenz. Ich drehe mich noch einmal um. Keine 5 Wochen mehr.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen