Mittwoch, 3. Oktober 2012

Schomeschamo Marten

Und so beginnt es. Es ist der 26. September. Ich sitze in Hamburg am Flughafen und warte darauf, dass mich ein Flieger erst nach Amsterdam und dann über den Atlantik nach Buenos Aires bringt. Mein großes Abenteuer. Jedoch war der Abschied alles Andere als leicht.

Der Flug nach Amsterdam ist kurz und ging schnell vorbei. Neben mir spielten ein paar Kinder, die sich abwechselnd auf Deutsch und auf Spanisch unterhielten, als wäre es das Leichteste auf der Welt. "Wow", dachte ich, "das will ich auch".
In Amsterdam selbst habe ich genug Zeit um mich nochmal nach einem Kaffee umzusehen und die letzten Euros los zu werden. Natürlich wähle ich das Billigste - McDonalds. Es ist nun 9 Uhr und durch einen Hot-Spot schaffe ich es, nochmal kurz online zu sein und schnell ein paar lieben Freunden zu sagen, dass es mir gut geht.

Nach 30min Gratis-Internet und einem mittelmäßigen Kaffee gehe ich zum Gate und warte. Ich muss nochmals durch eine Gepäckkontrolle und mich auch in einen Körperscanner stellen. Als dem Mitarbeiter meinen Pass zeige, schaut er mich an und brummt in einem unverkennbar arischen Dialekt "Deutscher!". Dafür kriegt er sofort von seiner Kollegin auf den Hinterkopf, was ich persönlich sehr lustig finde.

Dann beginnen die längsten 14 Stunden meines Lebens. Ich fliege den ganzen Tag durch, was bedeutet, dass es immer hell ist. Dennoch kann ich ab und zu ein wenig einnicken und die Augen zumachen. Aus dem Bordangebot der Filme schaue ich mir Die Tribute von Panem, Albert Noobs, Merida, Men in Black 3 sowie je eine Folge von Friends, How I met your Mother und The Big Bang Theory an. Alleine:  4 Filme nacheinander zu schauen, hätte ich an keinem DVD-Abend der Welt geschafft, aber ein internationaler Flug macht es möglich!
Zwischendurch lese ich die Leiden des jungen Werthers, schreibe die ersten Zeilen von Briefen, amüsiere mich über das laute Schnarchen meines Sitznachbars und nicke wieder ein. Alle Versuche nicht nachzudenken, klappen nicht wirklich.  

Ich lande müde  - , ziemlich vermieft - und pünktlich um 19 Uhr Ortszeit in Buenos Aires, stehe 30 Minuten für meinen Koffer an und wieder 30 vor der Passkontrolle. Als ich aus dem Terminal komme, dann der Schock. Es ist NIEMAND da!

Zur Erklärung: Ich schrieb meiner Chefin die Ankunftsdaten, die sie an die stellvertretende Chefin weiter geleitet hat. Auch meiner Vermieterin schrieb ich, dass ich da bin. Keiner war in Sicht. Ich logge mich also in den Hotspot des Flughafens ein und lese eine Mail von einer mir komplett fremden Mitarbeiterin, dass mich widerum ein anderer Mitarbeiter abholen würde. ooookay, denke ich....Ich male also fix ein Schild, als schon ein junger Mann auffällig nah an mir vorbei geht und einen Zettel mit meinem Namen hochhält. Inzwischen habe ich schon über eine weitere Stunde gewartet. 

Der Mitarbeiter fährt mich zu meiner Wohnung, wo meine Vermieterin auf mich wartet. Hier habe ich die ersten Sprachprobleme. Der Dialekt ist wahnsinnig schwierig zu verstehen. Das spanische "ll" und das "y", welche dort wie das deutsche "j" ausgesprochen werden, spricht man in Argentinien wie das deutsche "Sch". Aus dem Satz "Yo me llamo Marten" (Ich heiße Marten) wird dann "Scho me schamo Marten"! Das sch neigt leider dazu, die Pause zwischen Wörtern zu verschlucken, daher "Schomeschamo Marten"

Auf jeden Fall werde ich von meiner Vermieterin, ihrem Freund und meiner deutschen Mitbewohnerin - obwohl die die Grippe hatte - herzlich begrüßt.
Ich falle tot ins Bett! aber bin angekommen...

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