Ich gehe oft mit Hunger ins Bett. Ich habe nämlich fast nie etwas im Kühlschrank, außer Wasser. Ich könnte einkaufen gehen, aber ich tue es nicht. Es ist weitaus schlimmer, als etwas hungrig ins Bett zu gehen. Einkaufen in Argentinien ist anstrengend.
Die Supermärkte in Buenos Aires sind wie in Europa auch. Okay, das Gemüse sieht nicht ganz so schick aus, Hygienestandards schwanken, manche Produkte sind teurer, Preise pendeln stärker. Man hört sogar Gerüchte, manche würden nachts ihre Kühlschränke ausschalten um Strom zu sparen. Bei 30° C. Tagestemperatur eine gar köstliche Idee.
Aber immerhin: es gibt Auswahl. Es gibt alles, um sich etwas Leckeres zu kochen. Die größten Namen hier sind Carrefour, Disco, Jumbo und Cotto. In letzteren beiden wurde ich stets aufgefordert, meine Tasche entweder versiegeln zu lassen oder sie doch bitte abzugeben. Zu groß ist die Angst, ich könnte etwas klauen.
Der Wahnsinn beginnt an den Kassen.
Wer mit Karte zahlen möchte, muss sich ausweisen. Daten müssen eingegeben werden.
Kostet Zeit.
Wer Obst oder Gemüse gekauft hat, muss es manchmal erst an der Kasse wiegen lassen.
Kostet Zeit.
Wer in größeren Scheinen bezahlen will, muss sich darauf gefasst machen, dass der Kassierer erst welches von seinem Supervisor erhalten muss.
Kostet Zeit.
Wer es gerne hätte, kriegt die Artikel direkt vom Kassierer in Tüten verpackt. Service ja, aber:
Kostet Zeit.
Das größte Problem sind jedoch die Kassierer selbst. Mit beständiger Ruhe lassen sie die Artikel über den Scanner schleichen. Mein neuer Mitbewohner formulierte die Arbeitsmoral der argentinischen Kassierer so:
"Argentinische Kassiererinnen sollten vielleicht mal
eine Weiterbildung zum Thema Schnelligkeit in einem Deutschen Aldi/Lidl
machen. Oder Aldi Kassiererinnen Urlaub an einer Supermarktkasse in
Argentinien, je nachdem."
Recht hat er. Für jede überarbeitete Kassiererin in Deutschland, wären 2 Wochen Buenos Aires Schichtdienst wie Sommerurlaub.
Auch mein Reisegefährte CW erkennt als "Deutschlatiner" das Problem:
"Ich sehe die Gefahr, dass ich meine Einkäufe bald stehle – und die Kinder würden mich nicht mal vermissen: Papa wäre aus dem Gefängnis schneller zurück als aus dem Supermarkt."
Ich habe gelernt auszuweichen. So ich gehe ich immer in kleine Chino-Supermärkte. Dort geht es weitaus schneller. Meinen Chino in Palermo suchte ich immer wegen günstigerem Wein auf und wurde schon mit Nicken begrüßt. Es wird also nur eine Frage der Zeit sein, bis ich bekannt bin.
Eines steht fest. Sollte in Deutschland mal jemand die Kasse blockieren, werde ich weitaus entspannter sein, als ich es zuvor war.
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