Freitag, 4. Januar 2013

Marty in Chile. Kapitel 5 - Paradiestal

Von Santiago aus brausen wir nach Valparaíso! Ich freue mich! Endlich wieder das Meer sehen!
Eine kurze Busfahrt und wir sind da. Ein Vorteil den Chile gegenüber Argentinien hat: es ist nicht sehr breit! Nichts mit 9 Stunden im Bus sitzen.
CW macht sich nicht nützlich, aber er glaubt, dass er es tut. Er liest Wikipedia-Einträge, erzählt  mir was von Fallrückziehern und Provinzanzahlen. Ist ja schön und gut, aber wo schlafen wir denn? Das muss natürlich wieder ich regeln.

Am Busterminal werden wir direkt von Touristenfängern angesprochen. Ob wir ein Hostel bräuchten, fragt eine junge motivierte Frau. Nee lieber nicht, denke ich, die verdient bestimmt dran und will und sonst was andrehen. Ich will gerade antworten, da bejahte CW schon fleißig. Und wir landeten im Netz der Touristenfänger.

Letztendlich landeten wir in einem kleinen maritim eingerichteten Hostel. Eine nette Herbergsmutter öffnete uns, gab uns Internet, ein schickes Zimmer mit 2 großen Betten. Gütig, langsam sprechend. Bis CW das Zimmer bezahlen will. Dann umweht sie plötzlich ein kalter Wind. CW zückt seine Kreditkarte und ich staune, wie so eine nette alte Frau plötzlich wie Darth Vader klingen kann.

Valparaíso ist schön, aber ich hätte es mir schöner vorgestellt. Die Marine hat hier einen Stützpunkt, Kriegsschiffe liegen im Hafen, Container stapeln sich. Industrie herrscht. Die Stadt selbst, jedoch wunderschön, zwischen Bergen und und Meer. Wieder beindruckt mich die wunderbare Aussicht.

Mit CW gehe ich noch essen, wir plaudern. Man versteht sich. Ist das etwa Harmonie?
Am Abend bin ich erschöpft. Zu viele Eindrücke, zu viel CW die letzten Tage. Ich schlafe mit Klamotten auf meinem Bett ein. Im Halbschlaf höre ich CW mehrfach fordern, mich doch bettfertig zu machen...Ich wache mitten in der Nacht auf. Um mich herum Müll, den er mir scheinbar ins Bett geworfen hat, um seinen vorherigen Argumenten Ausdruck zu verleihen. Danke Cw!

Am nächsten Tag beginnt unsere Bergtour! Wir wollen ganz nach oben. Auf die Stadt blicken. Wir wollen viel. Der Aufstieg ist hart, die Temperatur sehr hoch. Ich muss gestehen, dass CW schneller ist als ich. Was ist da los? Er zitiert ständig Daniel Kehlmann, nennt sich Expeditionsleiter. Der spinnt doch!




Auf dem Weg treffen wir einen Jungen. CW spielt etwas Fußball mit ihm. Ich ermahne ihn:

"Vergiss nicht, dass einzige was der Junge jemals von Deutschland sehen wird, bist du!
Also benimm dich!"
CW tut, wie geheißen.



Oben angekommen, blicken wir über die Stadt und die Bucht. Je höher man kommt, desto ärmer wird die Gegend. Hunde streifen herum, liegen im Schatten von parkenden Autos. Unterkunften sehen immer provisorischer aus. Dennoch: der Blick ist herrlich.

Es beginnt der Abstieg. Erleichtert, schwitzend, durstig. Zurück in die Stadt. U-Bahn nach Viña del Mar. Weniger Industrie. Mehr Strand. Endlich das Meer.

Seit Rostock habe ich mich sehr daran gewöhnt und möchte es ungern missen. Ich gehe baden, es ist saukalt. CW muss sich beweisen, badet länger als ich.

Zurück beim Hostel stopfen wir uns nochmal den Magen voll, gehen ins Bett und betreten am nächsten Morgen den Bus Richtung Buenos Aires.

An der Grenze das große Drama. CW schreit mich an. Ich hätte seine letzten Sandwiches gegessen. Habe ich auch. Aber warum schreit er mich an? Habe ich ihn doch vorher darauf hingewiesen, dass er die essen müsste, bevor wir an die Grenze kommen, grunzte nur zurück, dass ich machen solle, was ich will... Er müsse arbeiten...

Die Eskalation verfliegt. Eine Woche Abenteuer, zusammen reisen, Anstrengung...und letztendlich war es das Sandwich. Naja ein Streit kommt und geht. Wir sind nach langer Fahrt wieder in Buenos Aires.


Wenn ich nun mit CW schreibe, schreibt er mir Sachen wie "Beso" oder "Süßer".
Ob das als Erfolg zu verbuchen ist?

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