Keine Geschenke, kein Baum, kein Schnee.
Stattdessen 47° Grad, ein Asado und Wein.
Jo! Jo! Jo!
24. Dezember
Heilig Abend bin ich in meiner Wohnung geschmolzen. Fast 50° Grad. Während mir meine liebsten Bilder von ihren Weihnachtsbäumen, ihren Geschenkbergen und Festmahlen geschickt haben - Danke dafür, das war toll! - Habe ich mir bei Starbucks einen extra großen Kaffee gekauft und mich mit "Der Schwarm" von Frank Schätzing auf den Balkon gesetzt.
Plötzlich kommt mein Nachbar von gegenüber und zupft auf seinem Banjo. Er entschuldigt sich, als er mich bemerkt, aber ich bitte ihn weiterzuspielen. Irgendwie lustig.
Ich skype kurz mit meinem Dad. erzähle ihm das ich schmelze. "Papa ich sterbe hier!", winsele ich. Er lacht. Schickt mir später eine Mail mit Bildern - auch von meinem Neffen. Der Betreff der Mail: Schwitzen. Sehr winterlich.
Danke Dad!
Am Abend streife ich mit einer Mitpraktikantin - Anna - durch Palermo auf der Suche nach einem geöffneten Restaurant. Nach etlichen Bars und Edellokalen finden wir schließlich ein geeignetes, müssen aber noch warten. Also mit ner Flasche Cider auf die Parkbank. Noch immer schmelzend, diskutieren wir über alles mögliche, bis der Cider leer ist und wir Durst auf was nicht alkoholisches kriegen. Weihnachtspreise erschüttern mich, dennoch bezahle ich umgerechnet 4€ für eine kleine Cola.
Dann beginnt das Mahl. Wir haben eine Art 3 Gänge-Menü mit unbegrenzten Getränken. Natürlich sind wir später betrunken. Der Wein ist einfach zu gut hier. Anna überredet mich zu tanzen. Gar nicht so leicht mit mir, denn
1. Kann ich nicht tanzen! und
2. bin ich mal 2,5 Köpfe größer als Anna.
Ich muss aufpassen, sie nicht durch den Laden zu schleudern. Es klappt iwie, wir haben Spaß. Wir waren sogar die letzten, so dass wir rausgeworfen wurden.
Als wir rauskommen sind wir erstaunt. Wir haben einen heftigen Sturm verpasst. Riesige Pfützen, abgerissene Zweige, rumfliegender Müll. Naja, mir wars egal.
25. Dezember
Spät spät wache ich auf. Und freue mich auf einen gammligen Tag. Ich mache nicht viel. Lese, schreibe, chatte. Abends breche ich dann zu Lukas. Er will mich in die Kunst des Asados - des argentinischen Grillens einweisen. Er und sein Freund Nico haben jedoch auch 3 britische Mädels eingeladen, die noch eine israelische Freundin dabei hatten.
"Du siehst nicht aus, als wärst du von hier."
"Nee nee", sag ich, "ich bin Deutscher."
"Ah wow, und was machst du hier?"
"Nunja, ich arbeite für..."
"Heyy!", schreit Lukas, "du sollst aufpassen."
Das Asado ist köstlich. Die Regeln schwer, dennoch machbar. Lukas schwitzt wie ein Stahlarbeiter am Grill und benutzt weder Zange noch Gabel. Außer als er das Fleisch auf den Teller gibt.
"Du darfst keine Angst vor dem Feuer haben", sagt er cool.
Ich werde üben.
Die Mädels sind noch vom Vorabend geschafft. Die Mädels verschwinden. Wir Jungs waschen ab.
26. Dezember
Noch im Bett liegend, schlaftrunken, rufe ich bei meiner Mum an. Mein Bruder hat B-day und ich möchte gratulieren. Viel gibt es zu erzählen. Ich freue mich nacheinander meine Familie sprechen zu können. Es ist das erste mal seit ich denken kann, dass ich da fehle.
Freudige Nachrichten von Zuhause.
Den restlichen Tag über bereite ich meinen Umzug vor..
Hat man sich doch gut ausgebreitet in 3 Monaten. Und das bei so einem winzigen Zimmer.



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